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Weltstar im Saarlandmuseum
Weltstar Nauman trifft auf Rodin

Saarbrücken. Geldsegen für das Saarlandmuseum: Zwei Kulturstiftungen, die des Bundes und die der Länder, fördern ein großes Doppel-Ausstellungsprojekt mit Auguste Rodin und Bruce Nauman. Von Cathrin Elss-Seringhaus
Cathrin Elss-Seringhaus

Es ist nicht nur das Geld, das hier glänzt. Es ist die Idee, und es sind zwei Namen: Bruce Nauman (geb. 1941) und Auguste Rodin (1840-1917). Gestern wurde bekannt, dass das Saarlandmuseum diese beiden bahnbrechenden Künstler in einer Doppelausstellung präsentieren wird, erstmals finden 2019 die Werke der beiden zusammen. Ausgangspunkt war die eigene Saarbrücker Sammlung, in der Rodin vertreten ist. Der Franzose holte Anfang des 20. Jahrhunderts die Skulptur vom repräsentativ-dekorativen Sockel –  und  wurde ein Star.


Der Amerikaner Nauman sprengte im 21. Jahrhundert ebenfalls die herkömmliche Kunstauffassung, experimentierte mit neuen Medien und Klanginstallationen, mit flackernder Neonschrift oder mit Wachsköpfen, provozierte mit krassen Motiven zum Thema Sex und Gewalt. Und auch er wurde zum Star. Dies, obwohl Nauman nur ungern im Kunstbetrieb auftaucht und nur sehr schwer von seiner Ranch in New-Mexiko herunter zu locken ist. Trotzdem möchte der Vorstand der Stiftung Kulturbesitz, Roland Mönig, genau das probieren, wie er gestern verriet. Nauman wird in die Konzeption der Ausstellung eingebunden.

Dieser Mann live in Saarbrücken, das wäre ein seltener Coup. Der erste ist bereits geglückt: ihn überhaupt zu gewinnen. Mönig schaffte es über Briefkontakt.  Und dann passiert dann auch noch das: Die Anträge auf Fördergelder werden sowohl von der Kulturstiftung der Länder als auch von der Kulturstiftung des Bundes positiv beschieden. Mündlich hatte man Mönig bereits vor wenigen Tagen darüber informiert, gestern ging eine Pressemitteilung der Kulturstiftung der Länder heraus, doch schriftlich hat der Museumschef noch nichts in der Hand. Deshalb möchte er über die konkrete Höhe der Unterstützung nichts sagen. Nur so viel: Er rechne in etwa mit einer Zweidrittel-­Finanzierung der mit 500 000 Euro kalkulierten Ausstellung.  „Das ist  wie ein Weihnachtsgeschenk“, so Mönig zur SZ, „Es kommt genau richtig in einer Zeit, da das Museum wieder mit Rückenwind segelt.“ Die Nauman-Rodin-Ausstellung sieht der Stiftungsvorstand als ein strategisches Projekt, das „der Neuaufstellung des Museums in der Museumslandschaft“ nach der Wiedereröffnung diene. Die Schau bringe die Sammlungsschwerpunkte klassische Moderne und Zeitgenossenschaft in Kombination und betone den Frankreich-Bezug des Hauses. Das alles erst 2019, aber wir wissen schon jetzt, wohin die Saarbrücker Museumsreise geht: hoch hinaus. Das Team greift mutig nach den Sternen am Kunsthimmel.



1 245 000 Millionen Euro wurden insgesamt  vom Stiftungsrat der  Kulturstiftung der Länder für 16 Projekte bewilligt – in der Vertretung des Saarlandes beim Bund. Denn derzeit hat die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) den Ratsvorsitz. Neben „Rodin-Nauman“ erhalten beispielsweise auch eine Vasarely-Ausstellung in der Frankfurter Schirn oder eine Paul-Klee-Ausstellung in der Münchner Pinakothek der Moderne Unterstützung. Die spektakulärste Förderung für das Saarland durch die Länder-Kulturstiftung liegt bereits zwölf Jahre zurück, damals für einen Ankauf. Es war der „Liegende Akt“ (1911) von Max Pechstein.

Roland Mönig wird die Nauman-Rodin-Schau zusammen mit Kathrin Elvers-Švamberk,  seiner Stellvertreterin im Saarlandmuseum, kuratieren. Vorgesehen ist dabei eine enge Zusammenarbeit mit dem Pariser Musée Rodin. Es werde keine umfängliche Doppel-Retrospektive, sagt er, man werde  Parallelitäten und gemeinsame Leitmotive verfolgen. Die da wären? Die Beschäftigung mit den Zusammenhängen zwischen  Psyche und Physis, das Thema Fragment und Montage, die Gleichgültigkeit gegenüber Konventionen in Sachen Perfektion und Schönheit.  Kurz, es geht um eine schlaue Kombination, die den jeweiligen Arbeiten neue Aspekte entlocken soll. Die Laufzeit: 21. September 2019 bis 26.Januar 2020.