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Konzert
Weihnachten, Wunder, Weltfrieden – Guildo Horn in Saarbrücken

Ein Schal für die Ewigkeit: Es weihnachtet sehr bei Guildo Horn in der Saarbrücker Garage. Aber wo sind die Nussecken?
Ein Schal für die Ewigkeit: Es weihnachtet sehr bei Guildo Horn in der Saarbrücker Garage. Aber wo sind die Nussecken? FOTO: Sebastian Dingler
Saarbrücken. Von Sebastian Dingler

Was ist nur aus dem einstigen Schlagerkönig Guildo Horn geworden? Durch Nussecken und Interpretationen von Songs aus den 70ern wie „Mendocino“ oder „Tränen lügen nicht“ ist er berühmt geworden, auch durch seinen nahezu legendären Auftritt beim Eurovision Song Contest 1998, als er „Guildo hat euch lieb“ singend den Bühnenrand empor kletterte – doch vom Schlager hat sich der 54-Jährige weitgehend verabschiedet. Vielmehr pflegt er das, was in den Sechzigern und Siebzigern gang und gebe war, das Verdeutschen englischer Songs. Viele Schlager wie eben Mendocino oder auch „Ein Bett im Kornfeld“ entstanden so.


Damals geschah das noch aufgrund der mangelnden Sprachkenntnisse der Bundesbürger, heute sorgten Horns Eindeutschungen am Freitag vor Weihnachten für viel Heiterkeit in der ohnehin schon feierbereiten Saarbrücker Garage. Und da Horn traditionell in Saarbrücken nur zur Weihnachtszeit vorbeischaut, wurden vielen Rock-, Disco-, und Pophits das Thema Weihnachten aufgezwungen. Aus dem „Wai“ aus YMCA wurde schnell ein „weih“ gemacht: „Es weihnachtet sehr“ lautete somit der Disco-Kracher. Oder: „Ich hab den Weihnachtsmann so lieb“ sang Horn auf „You Are So Beautiful“. Bekannte Songs, mitsingbare Texte und ein abwechslungsreiches Bühnenprogramm – so versetzte Horn  die etwa 800 Besucher in Ekstase. Nicht zu vergessen Horns großartige Begleitband, die „Orthopädischen Strümpfe“, verstärkt durch die „Asoziale Blaszentrale Dessau“: darunter die Saarländer Jan Kamp (Posaune) und Sascha Waack (Schlagzeug). Sie trieben sowohl den als „Meister“ verehrten Horn als auch das Publikum zu Höchstleistungen an – „in der gemischten Sauna Saarbrücken“, wie der Sänger ob der hohen Temperaturen im Saal scherzte.

Und wie es halt in einer Sauna so zugeht, verging nicht lange, ehe sich der Trierer von seiner Oberbekleidung verabschiedete und seinen bedingt durchtrainierten Oberkörper präsentierte. Dazu kamen Sprüche wie: „Wir sind bescheiden, wir wünschen uns zu Weihnachten nur den Weltfrieden und dass die Polkappen nicht ganz so schnell schmelzen.“ Erst zur Zugabe erschienen doch noch die Schlager – wahrscheinlich auch deswegen, weil sie ja eigentlich nichts mit Weihnachten zu tun haben und Horn sich wohl an deren Texten nicht vergreifen will. „Griechischer Wein“, Tränen lügen nicht“ und „Wunder gibt es immer wieder“ wurden bis in die hinteren Reihen lauthals mitgesungen. Und weil der Meister seltsamerweise immer nur zu Weihnachten in Saarbrücken vorbeischaut, machte er schon Werbung fürs nächste Gastspiel 2018. Da will er dann unter anderem eine Weihnachtsversion von „Stairway to Heaven“ vortragen.