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Saarbrücker Urban-Art-Ausstellung
Was Linienraster und Farbbänder erzählen

Remi Roughs in Saarbrücken zu sehendes Werk „Condition“.
Remi Roughs in Saarbrücken zu sehendes Werk „Condition“. FOTO: Galerie Zimmerling & Jungfleisch
Saarbrücken. Die Saarbrücker Galerie Zimmerling & Jungfleisch zeigt die beiden Urban-Art-Künstler Remi Rough und LX.One – und überrascht. Von Bülent Gündüz

Ende der 90er hatten Graffiti- und Street-Art-Künstler genug. Wer von seiner Kunst leben wollte, musste am Kunstmarkt reüssieren und Kunst abseits der Großstadtwände schaffen. Die Urban Art war geboren. Doch der Drang zum Geld war nicht der einzige Grund für Künstler, von den Wänden auf die Leinwand zu wechseln. Namenszüge und quietschbunte Bilder waren den Sprayern zu wenig geworden. Sie wollten sich frei entfalten, experimentieren und neue Materialien ausprobieren. Inzwischen haben sich viele weit von den Ursprüngen ihrer Kunst entfernt und sind längst im Galerienmarkt angekommen. Geblieben ist bei vielen nur die Liebe zur gesprühten Farbe. Nicht mal mehr urbane Bildwelten haben sich in der Post-Graffiti-Ära gehalten.


Ein perfektes Beispiel für diese Entwicklung liefert die aktuelle Ausstellung „Syncopation“ in der Saabrücker Galerie Zimmerling & Jungfleisch (Europaallee 27d). Der Brite Remi Rough und der Franzose LX.One haben schon häufiger zusammengearbeitet und im vergangenen Jahr im Nauwieser Viertel auch ein Wandbild für den Saarbrücker ArtWalk gestaltet.

Nun zeigen beide ihre Werke nebeneinander und haben erstmals auch auf der Leinwand zusammengearbeitet. Während man über die Qualität der Arbeit an der Ecke Försterstraße/Cecilienstraße im Nauwieser Viertel geteilter Meinung sein kann, ist „Edges“ gelungen, weil die Freunde nicht nur ihren persönlichen Stil durchgezogen haben, sondern diesen auch in Dialog treten lassen. LX.One eröffnet mit einem farblichen Linienraster den Bildraum und verschiebt das Bildzentrum. Dadurch gewinnt das Bild an Tiefe. Rough nimmt dieses Spiel mit dem virtuellen Raum auf und vertieft es mit seinen Farbbändern. Gleichzeitig gewinnt das Bild an Dynamik und Bewegung.

Roughs Werke sind ein Spiel, mit Raum, Farbe und Form. Seine Fragestellungen orientieren sich stark an Konstruktivismus und Suprematismus. Schon im Titel belegt dies „What if Suprematism came back?“, das an die geometrischen Arbeiten von Kasimir Malewitsch erinnert. Emotion drückt Rough vor allem über Farbbänder aus, die wie Spuren von Bewegung im Raum zu stehen scheinen.

LX.One arbeitet derzeit vor allem mit Beton und Holz. In das Material arbeitet er Muster aus linearen Vertiefungen. Mal lässt er nur die Materialien unbehandelt ihre Wirkung entfalten, ein anderes Mal nutzt er Sprühfarben, um Effekte zu erzielen oder raut das Material auf, um ihm den Glanz zu nehmen. So bestimmt alleine das Licht den Eindruck des Werkes, was sich über Farbschatten noch verstärkt. Das erinnert stark an die Op-Art. Eines seiner schönsten Werke ist „Deconstructed Horizon“. Auf der Rückseite eines gefundenen Werbeplakats hat sich LX.One mit einem unregelmäßigen Liniennetz verewigt und dabei den Charakter des abgerissenen Posters erhalten. Damit kehrt er zum Ursprung zurück, denn die Fläche hatte einst Kontakt mit einer Wand.



Bis 16. Juni. Di, Do und Fr: 15 bis 19 Uhr; Mi: 10 bis 12 Uhr und 15 bis 20 Uhr; Sa: 11 bis 15 Uhr.

LX.One-Arbeit "plus_minus"
LX.One-Arbeit "plus_minus" FOTO: Galerie Zimmerling & Jungfleisch