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Neues Jazz-Album
Was für ein herrlicher Schrott!

Deep Schrott von links: Andreas Kaling, Dirk Raulf, Jan Klare und Wollie Kaiser.
Deep Schrott von links: Andreas Kaling, Dirk Raulf, Jan Klare und Wollie Kaiser. FOTO: Helmut Hergarten
Saarbrücken. Deep Schrott, das „einzige Bass-Saxophon-Quartett des Universums“, zeigt Ironie und höchstes Können. Von Stefan Uhrmacher

Sonore Saxofon-Schwingungen zur wohligen Massage der Hörnerven gefällig? Wärmstens empfohlen sei da Deep Schrott, das laut Selbstauskunft „einzige Bass-Saxophon-Quartett des Universums“, mit seiner Kollektion „The Dark Side of Deep Schrott, Vol. 1 & 2“. Sympathie für neutönenden Jazz sollte man mitbringen, lassen sich der Wahl-Saarbrücker Wollie Kaiser (Chef der Kölner Saxophon Mafia) und seine kongenialen Co-Bläser Andreas Kaling, Jan Klare und Dirk Raulf doch dem sogenannten Modern Creative Jazz zuordnen. Ob nun pfiffige Eigenkreationen oder Noten von Albert Ayler, Hanns Eisler oder Franz Schubert: Mit gnadenlosen Sezierblicken werden einschlägige Strukturen freigelegt.


Bei Songs von Nirvana, Black Sabbath, Doors und Co. erzeugt zudem forcierte Monotonie eine packende Suggestivkraft – da kommt das Faible der Deep Schrottler für harten Rock druckvoll zum Tragen. Mal brummt es wie aus Schiffshörnern, mal vereinen sich die Bläser-Jumbos zu anrührendem Gesang, mal greifen die Stimmen terrassenartig ineinander, dass fontänenhafte Leichtigkeit sprießt. An aufrichtiger Passion fürs jeweilige Sujet herrscht noch weniger Mangel als an ironischem Augenzwinkern, und so gewähren hier vier Könner mit ihren groovenden und schnaubenden Riesentrichtern faszinierende Lauscheindrücke.

„The Dark Side of Deep Schrott“,
Vol. 1 & 2 (Erschienen bei Poise Records).