| 20:37 Uhr

HfM-Konzert
Von schwerblütigem Temperament

Saarbrücken. Das „Trio Jean Paul“ zeigte bei der Sonntagsmatinée der Saarbrücker HfM seine Ausdruckskraft. Von Helmut Fackler

Zu Gast bei der Sonntagsmatinée der Saarbrücker Kammerkonzerte in der Hochschule für Musik (HfM) war dort gestern das (Klavier-) Trio „Jean Paul“. Pianist Ernst Heiligers, Geiger Ulf Schneider und Cellist Martin Löhr eröffneten das Programm mit einem Trio in e-moll von Joseph Haydn. Es war dies ein herzhaft-energischer Einstieg in ein dann eher schwerblütiges Programm mit zwei Streichsextetten, für Klaviertrio bearbeitet.


Eduard Steuermann hat, wohl aus seiner Pianisten-Sicht, „Verklärte Nacht“ opus 4 von Arnold Schönberg bearbeitet. Ist man den intensiven Klang von sechs Streichern, womöglich gar die Orchesterfassung gewohnt, fehlte einem der Sog, das Stimmgeflecht vor allem der tiefen Register. Die klangliche Abgrenzung zweier Saiteninstrumente zum Klavier hingegen schaffte eine völlig andere Balance, auch wenn diese Programmmusik (nach einem erotischen Gedicht von Richard Dehmel) mit hoher Ausdruckkraft  interpretiert wurde. Geballte Spannkraft wie das Original konnte dieses Arrangement jedoch nicht erzeugen.

Weitaus gelungener ist Theodor Kirchners Adaption des Streichsextettes G-Dur opus 36 von Johannes Brahms. Man hatte den Eindruck, Brahms hätte es auch für die Trio-Besetzung schreiben können. Die selbständig geführten Einzelstimmen ordneten sich nicht Klanggruppen unter, was auch den Klaviersatz transparenter machte und so eine stimmige Struktur vermittelte. Das Trio hat sich, eingedenk seines romantischen Namensgebers, „sprechende, poetische Musik“ zum Ziel gesetzt. Die Streicher erreichten dies mit elegant-klangvoller Präsenz, der Pianist mit technischer Perfektion und dynamischer Selbstständigkeit. Es war temperamentvolles, sattes Musizieren auf höchstem Niveau. Dafür gab es reichen Beifall und ein Haydn-Adagio als dankende Zugabe.