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Bauprojekt „Neuer Eingang“ des Weltkulturerbes
Auf Portal-Schau in der Völklinger Hütte

Visualisierung des künftigen Eingangsbereichs im Völklinger Weltkulturerbe nach dem Entwurf des nun mit der Realisierung beauftragten Berliner Architektenbüros Duncan McCauley.
Visualisierung des künftigen Eingangsbereichs im Völklinger Weltkulturerbe nach dem Entwurf des nun mit der Realisierung beauftragten Berliner Architektenbüros Duncan McCauley. FOTO: Weltkulturerbe Völklinger Hütte/Duncan McCauley / Duncan McCauley
Völklingen. Das Völklinger Weltkulturerbe zeigt endlich die Ergebnisse des Architekturwettbewerbs zum Wasserhochbehälter. Von Christoph Schreiner
Christoph Schreiner

Sage und schreibe 15  (!) Monate nach Beendigung des Wettbewerbsverfahrens für die Neugestaltung des Besuchereingangs des Völklinger Weltkulturerbes – die künftige „Eingangsplattform“ entsteht im heute verwaisten Wasserhochbehälter gleich neben den Besucherparkplätzen – sind nun endlich in deren Verdichterhalle die Wettbewerbsarbeiten zu sehen. Weshalb diese immense Verzögerung? Sibyllinisch sprach der Weltkulturerbe-Generaldirektor am Montag bei der Ausstellungseröffnung auf Nachfrage von „verschiedenen internen Gründen“, die ausschlaggebend gewesen seien. Später schob Meinrad Maria Grewenig hinterher, „entsprechende Organbeschlüsse“ hätten lange nicht vorgelegen. Mit anderen Worten: Das Placet von Grewenigs Aufsichtsrat für das auf 5,5 Millionen Euro (netto) taxierte Bauvorhaben ließ eine ganze Weile auf sich warten.


Dies wiederum dürfte nicht zuletzt mit ministeriellen Zuständigkeitswechseln während des Vergabeverfahrens zu tun gehabt haben: Zum einen ist für Denkmalfragen mittlerweile nicht mehr das Wirtschafts-, sondern das Kulturministerium zuständig. Weshalb der Aufsichtsratsvorsitzende der Trägergesellschaft der Völklinger Hütte nun Ulrich Commerçon heißt (zwar mit demselben SPD-Parteibuch wie Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger, nicht aber unbedingt mit deckungsgleichen Vorstellungen). Zum anderen stand die Prüfung der vom Weltkulturerbe erbrachten Wirtschaftlichkeitsrechnung seiner Baumaßnahme aus. Wie aus gut informierten Kreisen zu hören ist, war hierfür eigentlich die Hochbauabteilung des Landes vorgesehen – die aber (womöglich im Zuge ihrer internen Neukonsolidierung qua Wechsel vom Finanz- ins seit 2017 für Baufragen maßgeblichen Innenministerium) abgewinkt haben soll. Weshalb diese Überprüfung dann vergeben werden musste.

Mittlerweile aber gibt es grünes Licht. Auch von der Unesco, wie Grewenig und der Leiter der Denkmalabteilung der Völklinger Hütte, Andreas Timm, übereinstimmend verlautbarten am Montag. Dokumentiert ist das zweistufige, europaweit ausgeschriebene Wettbewerbsverfahren in einer 90-seitigen Broschüre: 45 Architekturbüros reichten erste Planskizzen ein, aus denen das Preisgericht (in Phase 1) 18 auswählte, aus deren anonymisierten Entwürfen in Phase 2 dann vier prämiert wurden. Zuletzt wurden die vier prämierten Büros dann im sogenannten Verhandlungsverfahren hinsichtlich der Realisierbarkeit ihrer Pläne auf Herz und Nieren geprüft. Das Ergebnis ist bekannt: Den Zuschlag erhielt am Ende der 2. Preisträger – das Berliner Architekturbüro Duncan McCauley. Letztlich habe sich seine Variante gegenüber der des ursprünglich Erstplatzierten (das Berliner Büro Stadler Prenn Architekten) als „robuster und flexibler“ erwiesen, wie es Weltkulturerbemann Timm (einer der Preisrichter und selbst von Haus aus Architekt) ausdrückt.



Der Wasserhochbehälter soll künftig zum zentralen Eingang werden.
Der Wasserhochbehälter soll künftig zum zentralen Eingang werden. FOTO: Weltkulturerbe Völklinger Hütte/Duncan McCauley / Duncan McCauley

Vergleicht man die beiden ersten Preisträgerkonzepte, lassen sich viele Übereinstimmungen ausmachen: Beide greifen äußerst defensiv in die Denkmalsubstanz des Wasserhochbehälters, einem 1918 fertiggestellten Betonständerbau, ein; beide betonen bestehende Raumfluchten und sehen ein großzügiges, klar gegliedertes Entrée vor – wobei der nun nicht zum Zuge kommende Entwurf von Stadler Prenn die Eingangssituation (durch den Einbau einer langgestreckten, energieeeffizienten Infobox und einer markanten Freitreppe) unterm Strich eleganter löst. Es mag auch der Diskretion über das Jury-Votum geschuldet sein, dass Grewenig und Timm bei der montäglichen Präsentation etwas nebulös blieben hinsichtlich der Gründe, die zuletzt den Ausschlag für die beiden Briten Duncan und McCauley gaben. Die bessere Umsetzbarkeit ihres Entwurfs entschied wohl zuletzt.

Die maßgebliche Herausforderung der geplanten Baumaßnahme wird von beiden Berliner Büros (wie auch den übrigen ausgestellten 16 Vor-Entwürfen) nur andeutungsweise gelöst. Ob (und wie!) die Besucherführung künftig, ausgehend vom Wasserhochbehälter über das benachbarte Pumpenhaus, über eine Brücke oder einen Steg erfolgen soll? Um von dort eine Anbindung zum 45 Meter entfernten Gebläsesteg zu ermöglichen. Klar ist, dass der schon heute über die Rathausstraße führende Steg in seiner jetzigen Breite (1,6 Meter) als Verteiler in Richtung Hochofengruppe (Hin- und Rückführung) nicht ausreicht. Wie auch immer: Im Frühjahr 2021, kündigt Grewenig an, soll alles fertig sein.

 Der alte, erst vor zehn Jahren für 2,6 Millionen gestaltete Eingang zur Stadt hin wird mit seiner Red Box dann ausgedient haben. Für Grewenig ist dies, wie er immer wieder betont, schon deshalb zwingend, weil laut Hütten-Erhebungen 93 Prozent aller Besucher über den großen Parkplatz vis à vis des Wasserhochbehälters eintreffen. Im Übrigen ließen sich dadurch auch alle „Funktionsabläufe“ und Wegführungen optimieren, ist er sich sicher.

Entwurf des zweitplatzierten Büros Stadler Prenn Architekten (Berlin), die das Nachsehen gegenüber Duncan McCauley hatten.
Entwurf des zweitplatzierten Büros Stadler Prenn Architekten (Berlin), die das Nachsehen gegenüber Duncan McCauley hatten. FOTO: Stadler Prenn Architekten, Berlin

Betrachtet man die ausjurierten Entwürfe (einige hiesiger Architekturbüros), fällt auf, dass nur zwei Büros stadtplanerisch weiter dachten und eine Zuwegung aus Richtung Bahnhof zum Wasserhochbehälter mit einbinden: das Pariser Büro f & b cc und die Saarbrücker Architekten Flosundk (letztere immerhin mit einem Ankauf bedacht). Vor allem die unorthodoxe Lösung der Pariser, mittels gläserner Einbauten Besucher entlang der Rathausstraße zu führen, hat Charme. Doch den ganz großen Entwurf vermisst man unter diesen 18 Arbeiten. Die Idee eines „Stadt-Periskops“ als weithin sichtbarer Landmarke über dem Pumpenhaus (Tobias Engelhardt, Lübeck/Stefan Kalkoffen, Saarbrücken) ist da das Äußerste an Entwurfswagemut. Das Votum für Duncan McCauley geht daher wohl in Ordnung.

Ausstellung bis 2. Dezember (tgl. 10-18 Uhr). Wer nur die Wettbewerbsarbeiten sehen will, wird gebeten, dies an der Kasse des Weltkulturerbes zu signalisieren. Dieser Eintritt ist dann kostenfrei.