| 20:33 Uhr

Live beim Saarbrücker Micropop Festival
Verspielt, versponnen und famos

Das Duo Lovebyrd: Mark Wernet und Steph Krauth.
Das Duo Lovebyrd: Mark Wernet und Steph Krauth. FOTO: Lovebyrd
Saarbrücken. Das Saarbrücker Duo Lovebyrd stellt sein neues Album „Content“ beim Micropop Festival vor. Von Tobias Kessler
Tobias Kessler

Nun, Musik mit einem Möbel zu vergleichen, drängt sich selten auf – aber hier könnte das zumindest bei der groben Beschreibung ein wenig helfen: Wäre dieses Album ein Sofa, wäre es eines jener Exemplare, nicht mehr ganz neu und gut eingesessen, in die man tief hineinsinkt, gemütlich Platz findet und nur ungerne wieder aufsteht. Man sitzt halt zu gut.


„Content“ heißt dieses Album des Saarbrücker Duos Lovebyrd, das hier 15 Stücke mit vielschichtigem, verspieltem, versponnenem Pop vorlegt. Die Musik fließt entspannt vor sich hin, die ätherische Stimme von Steph Krauth (auch Gitarre und Keyboards) schwebt ein, wie in Watte gepackt wirkt die Musik. Schon der Auftakt „All Alone“ mit seinem Falsett-Refrain, perlendem Gitarrenspiel und sämigen Synthesizer-Klängen ist eine Pop-Perle. „Until I tell you I feel right“ geht danach mit Harmoniegesängen, einem charmant verschleppt klingenden Schlagzeug und einer verschlungenen Melodie direkt ans Herz.

Dicht ist das Klangbild, es geschieht viel, Krauth und Mark Wernet (Schlagzeug, Gitarre, Bass, Synthie) haben viel geschichtet und gefrickelt auf diesem Album, das manchmal an den introvertierten Pop der seligen „Shoegazer“-Bands wie Lush oder Slowdive erinnert – Musiker, die selbstvergessen und selbsthypnotisierend vor sich hinspielten. Man darf entfernt auch an Bands wie Stereolab, High Llamas oder Air denken – aber Lovebyrd werkeln dennoch an einem ganz eigenen Konzept, das viele Einflüsse aufsaugt und einen melodieseligen, leicht melancholischen Pop hervorbringt. So durchdacht das ist, so angenehm ungeglättet ist es – eher „low fidelity“ denn im Studio aufgetakelt. Viel gibt es zu entdecken: das chorale Schwelgen von „Whenever I call“, den hypnotischen Refrain von „Now forever“, die lässige funkige Gitarre in „It’s all gone“, die Minimal-Synthies in „Empathy“, den nach vorne treibenden Rhythmus in „You’ve been on my mind“. Das Album ist eine Wohltat.

Lovebyrd: Content (Kontakt unter lovebyrd.bandcamp.com).
Live: Donnerstag, 19. April, beim
Micropop Festival im Saarbrücker Mauerpfeiffer (Lebacher Straße 1-7), zusammen mit den Bands Hope und Pale Grey. Einlass ist ab 19 Uhr.