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US-Band Spain
Unser Dorf soll lauter werden

Josh Haden, Stimme und Gründer der Band Spain (und Sohn der Jazz-Legende Charlie Haden).
Josh Haden, Stimme und Gründer der Band Spain (und Sohn der Jazz-Legende Charlie Haden). FOTO: Miriam Brummel
Saarbrücken. Die US-Band Spain, sonst eher in den Großstädten weltweit unterwegs, kommt nächste Woche nach Hemmersdorf – getreu dem Verstanstaltermotto „Internationale Künstler zu Gast im Dorf“. Mit im Gepäck hat die Band ein famoses neues Album. Von Tobias Kessler
Tobias Kessler

Nach Berlin führt diese Tournee, nach Frankfurt, nach Wien, Zürich – und nach Hemmersdorf. Der Ort bei Rehlingen-Siersburg hat bislang nicht den Ruf einer Rockmusik-Metropole; umso erstaunlicher also, dass eine sehr geschätzte US-Band, die durchaus vom Begriff „Kult“ umflort wird, dort auf dem Land Station macht. Eine schöne Idee des Veranstalters Hotellounge, mit Sitz in Zürich und – Hemmersdorf. Überschrieben ist dieses Gastspiel mit „Internationale Künstler zu Gast im Dorf“ und soll auch ein Testballon sein für weitere Konzerte dort auf dem Land. Langfristig könnte sich der Veranstalter ein internationales Festival in Hemmersdorf vorstellen – falls genug Interesse da ist.


Egal, ob dieser Testballon nun elegant in den ländlichen Himmel steigt oder erschlafft zu Boden trudelt – die Idee ist gut, und der Auftakt mehr als reizvoll: Spain heißt die amerikanische Band, die am nächsten Mittwoch zum ersten Mal im Saarland ihre feinnervige Rockmusik mit dem Hang zur bluesigen Melancholie und einem lustvollen Ausufern spielt. Seit langem erfreut sie sich einiger berühmter Fans: Johnny Cash etwa hat ein Stück von Spain aufgenommen, Wim Wenders hat ihre Musik in seinem Film „Das Ende der Gewalt“ verwendet, Kollege Tom Tykwer ebenfalls, in seinem „Winterschläfer“. Beide Filme stammen aus den 1990ern, die Band ebenso: Josh Haden, Sänger, Bassist und Sohn des Jazzers Charlie Haden (1937-2014), gründete sie 1993; zwei Jahre später erschien das Debütalbum, seitdem arbeitet die Band kontinuierlich vor sich hin, nimmt man ein paar Umbesetzungen aus und ein paar Jahre, in denen Spain auf Eis lag.

Über ein Dutzend Alben hat die Band vorgelegt, das jüngste erscheint am Freitag nächster Woche – zwei Tage nach dem hiesigen Konzert. „Mandala Brush“ heißt es, wurde zum großen Teil live im Studio ohne Nachpolieren eingespielt und ist ein äußerst spannungsreiches Album. Mal verfolgt es popklassische Pfade, mal kommt es bewusst vom Weg ab, um sich lustvoll durch musikalisches Unterholz zu schlängeln, wobei das Interesse an üblicher Songlänge überschaubar ist. Nahezu 15 Minuten pocht und pulsiert etwa „God is Love“, das zart mit Streichermotiven und einem ab und an dazwischen rumpelnden Schlagzeug beginnt, um dann, auf- und abschwellend, eine ganz eigene Klanglandschaft zu entwerfen – mit fernem Pfeifen, Flöten und Frauenstimmen (der Haden-Schwestern Tanya und Petra), die über allem schweben.



Ein langer, intensiver Höhepunkt, gegenüber dem die konventionelleren Stücke durchaus abfallen könnten, wären sie nicht so clever komponiert und instrumentiert: Die Bläsersätze etwa mit ihrer Tex-Mex-Anmutung in „The Coming of the Lord“ sind eine Freude, ebenso wie das psychedelische Vor-sich-hin-Schrammeln im Auftakt „May in the Summer“ – da dampft auch ein wenig Doors-Aroma durch den Raum.

Ein herber Kontrast dazu ist das glatteste Stück, „You bring me up“, das es sich mit einer allzu naheliegenden Melodie etwas einfach macht – als habe die Band mal einen potenziellen Hit fürs US-College-Radio schreiben wollen. Viel gelungener wirkt da der verspielte Akustik-Pop von „Folkstone, Kent“ mitsamt einer melancholischen, gedämpften Trompete und „Laurel, Clementine“ mit wundersamen Refrain und schönen Frauenstimmen als Verstärkung von Haden; der hat eine charakteristische, leicht klagende, allerdings nicht immer sehr starke Stimme. Eine Rolle spielt das bei diesem famosen Album aber nicht. Auf die Live-Umsetzung, als Gast ist Hadens Schwester Petra (Geige und Gesang) dabei, muss man gespannt sein. Ebenso wie auf die Resonanz auf das Konzert — und auf die Flugbahn dieses Testballons.

Spain: Mandala Brush (Glitterhouse, erscheint am 28. September).
Konzerte: Nächster Mittwoch, 26. September, Hotel Gasthaus Gellenberg in Rehlingen-Siersburg. Einlass 19 Uhr, Beginn 20 Uhr. Tickets an der Abendkasse: 10 Euro. Reservierung möglich unter info@hotellounge.de
Konzert in Luxemburg: Freitag,
28. September: De Gudde Wellen.