| 20:23 Uhr

Straßentheater
Und wo haben sie den Prinzen gelassen?

Szene aus dem Dillinger Oplas Danza-Gastspiel.
Szene aus dem Dillinger Oplas Danza-Gastspiel. FOTO: Iris Maria Maurer
Dillingen. „Schwanensee“-Version der italienischen Truppe „Oplas Danza“ zum Dillinger Finale der SommerSzene. Silvia Buss

Seit 20 Jahren nun schon beglückt die italienische Truppe Oplas Danza – La Terra Nuova mit ihrer Straßentheater-Version des Balletts „Schwanensee“ ununterbrochen die Sommerfestivals dieser Welt. Auch bei der Sommer Szene in Dillingen waren sie schon, 17 Jahre ist das nun auch schon her. Zum diesjährigen Finale am Samstag hatte Festival-Chef Charlie Bick die Produktion noch einmal eingeladen.



Warum eigentlich und warum ist die Truppe so erfolgreich? Man kann nur spekulieren. Selbst wer den Schwanensee, das berühmteste aller Ballette nicht kennt, verbindet damit anmutige klassische Ballettänzerinnen in weißen Tütüs. Die bekommt man hier denn auch geboten. Und die Tänzerinnen – darunter auch ein Tänzer – der Truppe tanzen richtig gut, wirken selbst in plumpen schwarzen Schuhen auf dem harten Dillinger Markt-Pflaster leichtfüßig und ausdrucksstark. Allerliebst gar, wenn sie schwanengleich in winzigen Wasserbecken plantschen. Hinzu gesellen sich zwei Tänzer, die sich beeindruckend mühelos auf Stelzen bewegen.

Die Musik jedoch, eine weichgespülte Stimmungsträger-Mischung aus Pop-, Klassik- und Folklore-Sounds, schmerzte schon allein wegen der Lautstärke in den Ohren. Das Schwanensee-Libretto hatte sich die Truppe für ihre Bedürfnisse, leider nicht immer schlüssig, zurechtgebogen. So blieben manche Fragen zurück. Etwa: Sollten der böse schwarze Stelzentänzer und sein weißes Pendant nun Odile und Odette darstellen? Und was wurde aus dem Zauberer Rotbart, der als malerischer Stelzen-Vogel bloß einen Auftritt hatte? Vom Brautschau-Fest beließ man nur die Charaktertänze – das bot immerhin Gelegenheit, die Truppe in prächtigen afrikanischen, asiatischen, russischen Kostümen und Masken zu präsentieren.

Mit schönen Bildern konnte die italienische Truppe Oplas Danza in der Tat punkten: Sei es mit der Königin im Riesenreifrock, in dem sich die Schwäne wie in einer Volière tummeln (aber warum?) oder auch – im Schlussbild – mit den Schwänchen unter der Dusche. Dort – so die Moral der Geschichte – stehen sie wohl noch heute, weil man auf einen Prinzen ganz verzichtete. Das ist wohl neu, aufregend aber ist diese Oplas-Danzas-Version nicht, sondern am Ende dann doch nur gefällig. Hoffen wir auf Interessanteres, bei der nächsten SommerSzene in zwei Jahren.