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Till Brönner singt Frank Sinatra

Neben seiner Trompete kommt vor allem Till Brönners Stimme auf dem neuen Sinatra-Album zum Einsatz. Foto: Uwe Bellhäuser
Neben seiner Trompete kommt vor allem Till Brönners Stimme auf dem neuen Sinatra-Album zum Einsatz. Foto: Uwe Bellhäuser FOTO: Uwe Bellhäuser
Berlin. Der Auftritt mit Dutzenden Weltstars bei US-Präsident Obama war wohl der endgültige Ritterschlag für Till Brönner. Auf seinem neuen Album nimmt sich der erfolgreichste deutsche Jazz-Musiker Lieder einer amerikanischen Legende vor – die Pop-Charts weiter fest im Blick. dpa-Mitarbeiter Werner Herpell

Die Daten und Fakten der Karriere von Till Brönner sind eindrucksvoll: Ein Preis der Deutschen Schallplattenkritik schon fürs Debüt vor gut 20 Jahren, diverse Echo-Trophäen und Jazz-Awards, Grammy-Nominierung, seit dem Durchbruch mit "Blue Eyed Soul" (2002) regelmäßige Platzierungen in den Album-Charts, talentierter Fotograf obendrein. Nun ist der Mann gerade mal 45, gilt als bester deutscher Jazz-Trompeter, wird von US-Präsident Barack Obama zum Musizieren im Weißen Haus empfangen - und möchte seine Erfolgsserie fortsetzen.


Was könnte da besser funktionieren als Lieder, die einst "The Voice" sang - der große Frank Sinatra. Das tut Till Brönner auf seinem neuen Album "The Good Life", wie man es von ihm gewohnt ist: stilsicher, charmant, lässig - und für manche fast schon zu unangestrengt.

Seine helle, freundliche Stimme klingt in den viele Jahrzehnte alten Songs wie "Come Dance With Me" oder "In The Wee Small Hours Of The Morning" zwar ganz anders als die des oft so melancholischen Bariton-Crooners Sinatra. Weil aber die Arrangements mit Piano, Bass, Schlagzeug und Gitarre auf Modernismen gänzlich verzichten und einen flauschigen Soundteppich für Brönners smarten Gesang und seinen sinnlichen Trompeten-Ton legen, sind die 13 Tracks vom gepflegten Bar-Jazz der 50er und 60er Jahre gar nicht so weit entfernt.



Brönner kam auf Sinatra bei der Suche nach einem übergreifenden Thema für seine neue Platte - nach den Filmmelodien von "The Movie Album" (2014) und dem Samba-Jazz von "Rio" (2008) sollte wieder ein roter Faden her. Das Repertoire des 1998 gestorbenen Jazzballaden-Sängers sei "ein Fass ohne Boden", sagt der in Berlin und Los Angeles lebende gebürtige Rheinländer. Sein Produzent Ruud Jacobs brachte ihn letztlich auf die Idee, sich doch mal an diesen legendären Liedern zu versuchen.

"Ich wollte aber eigentlich gar nicht so viel singen. Jacobs ist ein guter Menschenkenner, er hat mir schnell die Angst genommen", erzählt Brönner. Und schließlich habe man ja auch nicht Gassenhauer wie "New York New York" aufgenommen, die zu eng mit dem Altmeister verbunden sind - "sondern Songs, die viele noch gar nicht unbedingt von Sinatra kennen". Neben den für Brönner ungewohnt zahlreichen Gesangsstücken sind auf "The Good Life" ein instrumentaler Gershwin-Klassiker ("I Loves You, Porgy") und zwei Eigenkompositionen zu hören. Auch sie fügen sich nahtlos in ein geschmackvolles Smooth-Jazz-Album ein.

Das neue Till-Brönner-Album "The Good Life" erscheint am Freitag bei Sony Music.