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Schwarze Komödie neu im Kino
„The Death of Stalin“ im Saarbrücker Filmhaus

Saarbrücken. Von Wolfgang Hamdorf
Cathrin Elss-Seringhaus

Stalin herrscht im Winter 1952 zwar noch mit eiserner Hand, doch der Diktator ist alt geworden. Noch wagt keiner, über seinen Tod hinaus zu denken, aber der Kampf um die Macht hat schon begonnen. Der Film „The Death of Stalin“ des schottischen Regisseurs Armando Iannucci ist eine schaurige Komödie über politische Macht und staatlichen Terror, bei dem hinter dem Witz immer der Schrecken verborgen ist. Im Zentrum stehen die mächtigsten Männer des Riesenreichs, die sich in alkoholisierten Männerrunden mit jungenhafter Kameraderie und zotigen Witzen bei Stalin anbiedern: Geheimdienstchef Lawrenti Berija, ZK-Sekretär Nikita Chruschtschow, Außenminister Wjatscheslaw Molotow, Außenhandelsminister Anastas Mikojan und Generalsekretär Georgi Malenkow, Stalins eifriger Zögling.


Am 2. März 1953 erleidet Stalin im Arbeitszimmer einen Schlaganfall – in seinem servilen Umfeld breitet sich hektischer Aktivismus aus: Wer wird der neue Diktator? Mit schwarzem Humor entfaltet Iannucci den Kampf um die Macht, derweil hat der Film für die Opfer des Regimes kaum Aufmerksamkeit übrig. Eine der wenigen Ausnahmen ist die Pianistin Marija Yudina, die nicht für Stalin spielen will, weil der ihre ganze Familie auf dem Gewissen hat. Im Mikrokosmus zynischer Machtgier ist es schwer, die Opfer mit ihm Blick zu behalten; der Film bleibt da wenig empathisch, zumal die Herrschenden unentwegt über die Opfer der stalinistischen Willkür spotten.

„The Death of Stalin“ ist eine Satire über die Dekadenz und die Brutalität der Macht, aber auch ein beeindruckender Ensemblefilm mit hervorragenden Schauspielern, etwa Steve Buscemi als Chruschtschow, Simon Russel Beale als Berija und Jeffrey Tambor als Malenkow. Sie verkörpern die grotesken Hauptfiguren distanziert, mit humorvollem Zynismus und tragikomischen Eitelkeiten.

Die russische Regierung hat „The Death of Stalin“ übrigens Ende Januar verboten. In der Begründung heißt es, dass es sich um eine gezielte Provokation handle, die Unfrieden in die russische Gesellschaft trage. Kann sich eine politische Komödie eine höhere Auszeichnung wünschen?

„The Death of Stalin“ läuft ab morgen im Saarbrücker Filmhaus. Kritiken und Termine zu allen Neustarts morgen in unserer Beilage treff.region.