| 20:31 Uhr

Ruhrtriennale
Kritisierte Ruhrtriennale-Chefin leitet nicht mehr allein

Bochum. Die Ruhrtriennale-Intendantin Stefanie Carp bleibt nach der Kritik an ihrem Umgang mit einer israelkritischen Band planmäßig weitere zwei Jahre im Amt. Allerdings solle sie einen Stellvertreter zur Seite gestellt bekommen, teilte das Aufsichtsgremium der Ruhrtriennale gestern mit.

Jürgen Reitzler, bisher unter anderem künstlerischer Betriebsdirektor am Schauspiel Dresden, solle die Geschäftsabläufe im künstlerischen Betrieb verbessern, hieß es. Das entschied der Aufsichtsratsrat der Kultur Ruhr GmbH. Die Gesellschaft ist Trägerin des Musik- und Kulturfestivals. Carp war auch für ihr Krisenmanagement nach dem Streit um die israelkritische Band „Young Fathers“ in die Kritik geraten. Die Musiker unterstützen die israelkritische BDS-Kampagne („Boycott, Divestment and Sanctions“), die sich für einen Boykott Israels wegen dessen Palästinenserpolitik einsetzt und als antisemitisch gilt.


Carp hatte die schottische Band erst ein-, dann aus- und schließlich wieder eingeladen. Am Ende sagte die Gruppe von sich aus ab (wir berichteten). Auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) reagierte auf den Eklat und kam weder zur Premiere noch zu anderen Veranstaltungen des vom Land mitfinanzierten Kulturfestivals.

 Mit Blick auf ihren künftigen Umgang mit BDS-Unterstützern sicherte Carp laut Mitteilung zu, sich an eine Resolution zu halten, die der NRW-Landtag nach dem Eklat verabschiedet hatte. Darin verurteilen die Landtags-Fraktionen die Bewegung als „klar antisemitisch“. Gruppierungen, welche die Ziele der BDS-Kampagne verfolgten, sollten keine Unterstützung finden, hieß es darin.



Isabel Pfeiffer-Poensgen, NRW-Kulturministerin und Vorsitzende des Aufsichtsgremiums, teilte gestern mit, sie sei überzeugt, dass Carp „die Bedeutung des Themas nunmehr stärker im Blick hat und antisemitische Aktionen und Gruppierungen im Rahmen der Ruhrtriennale keine Plattform finden“.