| 20:26 Uhr

Deutsche Radiophilharmonie
Stimmakrobatik und halsbrecherische Koloraturen

Saarbrücken. Hochaktuell: 2. Soirée der Deutschen Radiophilharmonie Von Jutta Stamm

Im Rahmen der 2. Soirée in der Saarbrücker Congresshalle wandelt die Deutsche Radio Philharmonie (DRP) auf den Spuren von Orpheus und begeistert mit französischen Kostbarkeiten der vorigen Jahrhundertwende: Francis Poulencs Suite „Les Biches“ sowie Werken von Claude Debussy – „Jeux“ und „Iberia“ aus den „Images“. Instrumentale Leichtigkeit, koloristischer Reichtum und dynamische Höhepunkte lassen Bilder im Kopf entstehen, überzeugen. Inspiriert vom Enthusiasmus des Amerikaners Jonathan Stockhammer folgt das perfekt intonierende Orchester seinem energetischen Dirigat und knüpft virtuos großflächige Klangteppiche.



Im Mittelpunkt des Abends steht jedoch die von der DRP in Auftrag gegebene Arbeit des Saarbrücker Komponisten Rolf Riehm (80), der zugegen ist. Mit „Die Tode des Orpheus“ schrieb er ein erschütterndes Werk für den amerikanischen Countertenor Lawrence Zazzo. Dieser erzählt singend, auch deklamierend, mit und ohne Orchesterbegleitung vom Tod des Orpheus, mal in Form berichtender Texte, mal in Ich-Form als Äußerungen des Dichters und Sängers der griechischen Mythologie. Eingeflochten sind aktuelle Nachrichten über die Zerstörungen des IS im Nahen Osten. Riehm lässt die Kompositionstradition bewusst außer Acht, nutzt fern jeder Systematik alle musikalischen Parameter, wobei er gewohnte Hörmuster negiert. Atonalität, Tonfragmente, Dissonanzen triumphieren – extreme Herausforderungen für das Orchester (auch für die Ohren), insbesondere für Zazzo, dem Rolf Riehm die Möglichkeit gibt, alle Töne zu produzieren, die er in der Lage ist, hervorzubringen. Zazzo nutzt sein ganzes Register, „springt“ vom Countertenor in den Bariton und umgekehrt. Halsbrecherische Koloraturen, die Biegsamkeit, ja, das akrobatische Spiel mit der Stimme beeindrucken.

Nächstes Konzert: Am 10. Dezember, 11 Uhr, kehrt der frühere Chef Günther Herbig zu seinem alten Orchester zurück. Auf dem Programm in der Congresshalle dann Griegs Klavierkonzert in a-moll (Solist: Joseph Moog) und Schostakowitschs Sinfonie Nr. 5.