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Soundtrack zum Saarland

„Konzertante Collage des Verfalls“ nennt „Le Magnétophone“ ihr Album. Foto: Alexander Bierbrauer
„Konzertante Collage des Verfalls“ nennt „Le Magnétophone“ ihr Album. Foto: Alexander Bierbrauer FOTO: Alexander Bierbrauer
Saarbrücken. Diesen Samstag stellt die Band „Le Magnétophone“ ihr neues Album im Club der Saarbrücker Garage vor. Sie gilt mit ihren intelligenten, treffenden Texten – oft über saarländische Eigenheiten – als Geheimtipp. Silvia Buss

Ihre Musik lässt aufhorchen, mehr noch ihre Texte. "Edeka hat zu gemacht und morgen ist gelber Sack/ In der letzten Kneipe am Platz ist jeden Mittwoch Schnitzeltag" beginnt etwa der Song "Dorf im Herbst" der jungen Band "Le Magnétophone". Der Refrain setzt an mit: "Die Seiten an denen/Der Regen das Haus trifft /Haben wir vernagelt mit Eternit". Spätestens da beschleicht einen die Gewissheit: Die sechs Jungs und Mädels um den Sänger und Schreiber David Scheidt zeichnen wie sonst keine Band ein schmerzlich-genaues Porträt des Saarlandes.

Sie sind alle aus Saarbrücken, David Scheidt und Jonas Lang, die die Band 2011 als Duo begründeten und dann um musikalische Freunde und Geschwister erweiterten. Sie wollen das rüberbringen, was sie fühlen und sehen. "Unser Bundesland ist gleichzeitig eines der schönsten und hässlichsten, aber auch unsere Heimat", sagt Scheidt, der aus Dudweiler stammt. Und wenn man durch Sulzbach gehe, wo in der Hauptstraße ein Laden nach dem anderen zumache, oder die Kneipe, in der er mit seinem Vater Fußballspiele ansah,verrammelte Fenster habe, tue das schon weh.

Im ersten Album "Ne marche plus" ging es viel um die Angst junger Paare, die von der Stadt aufs Land ziehen und sich bang fragen, ob sie nun verspießern: im alten Pseudo-Bauernhaus, renoviert mit Baumarkt-Teilen und Steingarten, mit Müsli und dem Pauschalurlaub am Meer. Damals hatte sich Scheidt gerade ein Haus in Mandelbachtal gekauft. "Ich bin verheiratet, habe eine Tochter, also eigentlich voll der Spießer", sagt er schmunzelnd. Er schrieb aber auch über Freuden des Landlebens, wenn es bei der Familienfeier selbstgemachte Rouladen und wieder einmal viel zu viel Käsekuchen gibt. Mit feiner Ironie hatte die Band, die mit Gitarren, Banjo, Drums, Bass, aber auch Geige besetzt ist, das in rhythmisch komplexe, (post-)folkige Arrangements gepackt.

Im zweiten Album "Qualitätsmanagement", das die Band heute Abend im Kleinen Klub der Garage vorstellt, klingt der Sound härter, bisweilen rockiger. Viel schärfer bringen die Songs darauf Innensicht und Außensicht auf die Welt zusammen. Da geht es etwa mit "Hard Knocks" zurück in den Partykeller der Jugend, "an den vertäfelten Wänden hängt ein toter Dachs/Aus benebelten Gläsern saurer Apfel was irgendwie passt", bevor ein Rapper die "bleierne Zeit" mit Ghettoblastern zwischen windschiefen Vorstadthäusern und Freibad besingt. Mit "Der größte Puff Europas" wagt die Gruppe sich auch an Themen, bei denen man schnell in der Klischee-Ecke landen kann.

Nicht so "Le Magnétophone": Erst aus der Sicht eines Freiers, dann aus der Sicht einer Prostituierten schildern sie den handelsüblichen Ablauf eines solchen Geschlechtsverkehrsgeschäfts. "Du rochst ein wenig nach altem Schweiß", fängt es an, endet mit dem Haar, das sich im Auto-Kindersitz verfängt und berührt gerade durch seinen Blick auf solche nebensächliche Details. Da darf dann auch schon mal eine sehr lange Instrumentalphase aufbrausen. Das zweite Album habe man kollektiv als Band entwickelt, und wenn eine Instrumentalphase allen gefällt und den Text kommentiere, dann lasse man das so, erzählt Davids jüngere Schwester Leonie Scheidt, die neben dem Gesang nun auch mit schreibt.

Ob der bitter-süße Soundtrack zum Saarland, den sie machen, allen passt, ist den sieben Saarländern zwischen 18 und Mitte 30, ziemlich egal. Ihr Brot verdienen sie als Erzieher oder auch Musiker mit anderen Projekten. "Le Magnétophone" macht Musik zum Spaß - und von der CD mit eigenem Label bis zum formidablen Video alles selbst. Noch ist die Band ein Geheimtipp, tritt nur in kleinen Locations bundesweit auf. Doch ihr jüngstes Album haben auch Medien wie Musikexpress und testspiel entdeckt und empfohlen. Eine gute Basis für noch mehr Erfolg.

Konzert: Diesen Samstag um 20 Uhr, Garage Saarbrücken.