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Das Fest des Saarländischen Staatstheaters
So viel Theaterfest war noch nie

Probe des Kinderchores des Saarländischen Staatstheaters.
Probe des Kinderchores des Saarländischen Staatstheaters. FOTO: Kerstin Krämer
Saarbrücken. Das Saarländische Staatstheater hat gestern des Ende der Sommerpause an mehreren Orten gefeiert: im Großen Haus und davor, in der Sparte 4, in der Alten Feuerwache und anderswo. Von Kerstin Krämer

„Feiert mit uns den Beginn der neuen Spielzeit!“, lockte das Saarländische Staatstheater (SST). Dieser Einladung zum Theaterfest folgte man gestern nur zu gern, zumal sich über der Stadt ein strahlender Himmel spannte – so blau, als ob ihn ein Bilderbuch-Illustrator in Feierlaune gepinselt hätte: Zig Besucher waren am Sonntagnachmittag unterwegs, um sich bei diversen Präsentationen rund um Schauspiel, Musik und Ballett einen Vorgeschmack auf die neue Saison zu holen.


Bei über 40 Programmpunkten drinnen und draußen fiel die Wahl schwer: So viel Theaterfest war noch nie. Denn diesmal war nicht nur das Große Haus mit dem Tbilisser Platz involviert, sondern auch das Kulturcarré am Landwehrplatz. Dort hatten 2014 die SST-Spielstätte Alte Feuerwache, das Theater im Viertel (TiV) und die Musikschule der Landeshauptstadt zum ersten Mal ihre Nachbarschaft mit einem gemeinsamen Hoffest gefeiert – schließlich teilt man sich einen Innenhof und kann sich quasi gegenseitig in die Fenster gucken. Letztes Jahr fiel besagtes Hoffest, das seither zur festen Einrichtung wurde, wegen des Intendanten-Wechsels am SST aus. Nun wurde es kurzerhand ins Theaterfest des SST integriert, so dass Feuerwache und TiV (letzteres in Kooperation mit der Musikschule) sowie ein Teil des Landwehrplatzes ebenfalls involviert waren.

Sogar die Sparte 4 in der Eisenbahnstraße zog diesmal nach und präsentierte ab 17 Uhr Programm bis Mitternacht. Hier konnten sich Fußballfreunde unter anderem einen Vorgeschmack auf die Produktion „Blackbox Philipp Lahm“ mit Sparte 4-Chef Thorsten Köhler holen; daneben war die Bühne offen für Poetry, Tanzperformances und Musik von verschiedenen Saarbrücker Künstlern. Außerdem lockte eine After-Show-Party mit DJ Henk „the Tank“ Nuwenhoud; und stärken konnte man sich ebenfalls, an der Cocktail-Bar und bei einem Kuchenbasar. An allen anderen Spielstätten war ebenfalls für das leibliche Wohl gesorgt. Parallel hatte die Theaterkasse geöffnet, und unzählige Kooperationspartner nutzten die Gelegenheit, sich mit Infoständen vorzustellen: Rund ums Staatstheater präsentierten sich neben dem SponsorClub des SST und den Freunden des Balletts auch die Volkshochschule, das Saarlandmuseum, das Kinder- und Jugendtheater Überzwerg sowie das Theaterpädagogische Zentrum Saar und die Buchhandlung St. Johann. Zwischen SST und Feuerwache verkehrte ein Pferdewagen, dessen geduldige Rösser sich bei Kindern Streicheleinheiten abholten. Bei diesen literarischen Kutschfahrten lasen SST-Ensemblemitglieder, daneben erregte auf gleicher Strecke das SST-Bürgerprojekt „Ensemble 4“ mit theatralischen Interventionen Aufsehen.



Als Hauptattraktion heiß ersehnt war wie immer das abendliche Promenadenkonzert auf dem Tbilisser Platz mit Solisten des Opernensembles und dem Staatstsorchester und anschließendem Feuerwerk. Drum herum lockten wie jedes Jahr etliche andere, darunter viele familientaugliche Programmpunkte: von der traditionellen Kostümversteigerung über zahlreiche Präsentationen und Mitmach-Aktionen bis zum Show-Fechtkampf und einer Technikshow mit dem Schlagwerkensemble „Percussion under Construction“.

Als Generalintendant Bodo Busse das Fest auf dem Tbilisser Platz mit der Rallye Trompes Moselle Saar um 15 Uhr offiziell eröffnete, war das TiV schon längst aktiv: Immerhin gut 30 Zuhörer spendeten da bereits dem Chansonnier und Liedermacher Sigi Becker Applaus. Gerappelt voll war’s dann schon beim nachfolgenden Gitarrenkonzert der beiden Musikschul-Dozenten Olaf Prätzlich und Frank Brückner. Die Befürchtung, dass man im Gesamtangebot untergehen könnte, weswegen man mit einem eigenen Festplakat warb, war völlig unbegründet.

Reger Andrang herrschte auch nebenan in der Alten Feuerwache, wo die Tür wegen des stetig strömenden Publikums einfach offen blieb. Nachdem Schauspieldirektorin Bettina Bruinier und Chefdramaturg Horst Busch einen Ausblick auf die folgenden Programmpunkte gegeben hatten – einschließlich Torwandschießen –, gehörte die Bühne dem vielköpfigen SST-Kinderchor unter Mauro Barbierato. „Hör zu, sing mit!“ lautete die Devise. „Wann dürfen wir denn endlich mitsingen?“, quengelte eine ältere Dame, die sich ein deutlich interaktiveres Konzert erhofft hatte. In ihrer Erwartungshaltung enttäuscht sahen sich wohl auch ein paar Mädels bei der anschließenden offenen Probe der SST-Ballettschule unter Youn Hui Jeon, bei der sich unterschiedliche Altersstufen präsentierten: „Da sind ja gar keine Jungs dabei, nur Mädchen!“ stellten sie verblüfft fest.