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Star Wars
„Sagen Sie bloß nie, dass es nur ein Film ist“

Mark Hamill als Luke Skwalker, der in der ersten „Star Wars“-Trilogie (1977-1983) vom Landei zum Jedi-Meister heranreifte.
Mark Hamill als Luke Skwalker, der in der ersten „Star Wars“-Trilogie (1977-1983) vom Landei zum Jedi-Meister heranreifte. FOTO: John Wilson / John Wilson / Lucasfilm
Saarbrücken . Der Schauspieler über die „Star Wars“-Welt, seine verstorbene Kollegin Carrie Fisher und darüber, wie es ist, eine eigene Actionfigur zu haben. Von André Wesche

Der Name des Schauspielers Mark Hamill ist untrennbar mit der Rolle des Luke Skywalker verbunden, der Zentralfigur der klassischen „Star Wars“-Filme „Krieg der Sterne“, „Das Imperium schlägt zurück“ und „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“. An letzteren Film knüpfte 2015 die Fortsetzung „Das Erwachen der Macht“ an, für die der 66-Jährige zu seiner Rolle zurückkehrt. Nun ist Hamill auch in „Star Wars: Die letzten Jedi“ zu sehen, der heute Abend in unseren Kinos startet. Ein Gespräch mit Hamill über die Geschichte von Star Wars, Regisseur George Lucas, den Memorabilia-Kult und die Fans.


Erinnern Sie sich an Ihre erste Lektüre des „Star Wars“-Drehbuchs in den 1970ern?

HAMILL Ja. Es war ein netter, optimistischer, positiver Film. Besonders markant war für mich der Humor. Die meisten Science-Fiction-Werke geben sich sehr ernst und trocken. „2001“ ist ein Klassiker, aber der Film ist nicht gerade sehr heiter. Ich las dieses „Star Wars“-Buch und fand es großartig. Roboter beklagten sich, wie sehr sie Ausflüge in den Weltraum hassen! Das war von einer sehr aufrichtigen Einfalt.

Haben Sie für die neuen Filme sofort zugesagt?

HAMILL Als man mich fragte, ob ich wiederkomme, sagte ein Teil von mir: „Ja, schließlich hat es großen Spaß gemacht!“. Der andere Teil war in Schockstarre. Diese Geschichte hatte einen Anfang, einen Mittelteil und ein Ende. Wie können wir die Fans noch einmal zufriedenstellen? Wiedervereinigungen enden regelmäßig mit einer Enttäuschung. Aber wenn ich es nicht noch einmal machen würde, wäre ich der meistgehasste Mann der ganzen Star-Wars-Gemeinde. Zornige Fans würden sich mit Lichtschwertern vor meinem Haus versammeln wie die Bauern in „Frankenstein“ mit ihren Fackeln und Forken. Ich hatte gar keine Wahl.



Luke Skywalker hat vor 40 Jahren Ihr Leben verändert. Glauben Sie, dass es jetzt noch einmal eine Wendung erfahren könnte?

HAMILL Nein. Ich glaube, ich verstehe das Ganze inzwischen. Wir hatten keine Ahnung, was auf uns zukommt. Ich dachte, wir machen diesen spaßigen Film. Ich hätte mir nicht vorstellen können, zu was für einer Supernova sich diese Geschichte entwickelt. Es ist um uns herum passiert, als hätten wir uns im Auge des Hurrikans befunden. Carrie, Harrison und ich haben den Film in Kanada beworben. In der Zwischenzeit lief er in den US-amerikanischen Kinos an. Als wir nach Chicago zurückkehrten, gab es diese Menschenmenge am Flughafen. Wir schauten uns um und erwarteten Mick Jagger oder so jemanden. Dann sagte ich zu Carrie: „Schau mal, das Mädchen ist genauso gekleidet wie Du im Film.“ Plötzlich sah ich auch Luke Skywalker-Kostüme. Was passierte da? Es ist schon ein Unterschied, ob man einen Film bloß mag oder ob man sich wie die Filmcharaktere kleidet. So etwas hätten wir niemals erwartet.

Was für ein Gefühl ist es, eine eigene Actionfigur zu haben?

HAMILL Mein Sohn Nathan wurde geboren, als wir „Das Imperium schlägt zurück“ gedreht haben. Bei „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ war er ein Kleinkind. Ich habe George Lucas gefragt, ob ich auf die Liste derjenigen gesetzt werden kann, die kostenlos mit „Star Wars“-Artikeln bemustert werden. Ich dachte an ein T-Shirt oder ein Soundtrack-Album. Ich hatte nicht damit gerechnet, auf elektrischen Zahnbürsten, Unterhosen oder Schlafsäcken abgebildet zu sein. Aber ich liebe all diesen Kram. Ich erinnere mich noch daran, als ich meinem Sohn sagte: „Schau mal, mein Gesicht ist auf einer C-3PO-Cerealien-Verpackung!“. Ihn hat es nicht interessiert. Aber ich fand es cool.

Sind Sie selbst ein Sammler?

HAMILL Ich selbst sammle zwar keine „Star Wars“-Artikel, mein Sohn heute schon. Er trug noch Windeln, als diese großen Kisten von der Firma „Kenner“ ankamen. Sein erstes Wort war „Mama“. Und sein drittes war „Kenner“. Er hat es sofort erkannt, wenn eine solche Sendung ankam. Natürlich haben wir sie ausgepackt. Ich weiß, dass ich sie als Sammler unversehrt auf den Dachboden hätte bringen müssen. In zehn oder 15 Jahren würden sie ihren Wert enorm steigern. Aber was für ein Vater wäre ich gewesen, wenn ich gesagt hätte: „Nein, lass’ uns die Sachen für Deinen College-Fond zurücklegen.“?

Und heute?

HAMILL Heute schaut Nathan natürlich in die Sammlerkataloge und fragt mich, warum ich ihn die „12 Inch-Prinzessin Leia“ habe auspacken lassen. Originalverpackt ist sie heute 1400 Dollar wert.

Apropos Leia. Lucasfilm hat versprochen, die verstorbene Carrie Fisher nicht via Computer wiederauferstehen zu lassen. Glauben Sie daran? Schließlich haben Sie mal gesagt, dass Lucas es lieben würde, Filme ohne Schauspieler zu drehen.

HAMILL George gehört zu der Generation von Regisseuren, die wirklich eine Filmhochschule besucht haben. Was Carrie anbelangt, muss ich die Produktion beim Wort nehmen. In „Rogue One“ hat man Peter Cushing wiederbelebt. Das wirft ethische Fragen auf. Man muss die Genehmigung der Hinterbliebenen einholen. Es ist ziemlich nervenaufreibend, wenn man seine eigenen Kinder diskutieren hört: „Sollen wir zustimmen, wenn sie Dad nach seinem Tod wiederauferstehen lassen wollen?“ Ich finde es richtig, Carrie nicht im Computer zu animieren.

Wie weit gehen Leute, um Ihnen Details der Handlung zu entlocken?

HAMILL Neulich hat mich ein Journalist gefragt: „War es schwierig, wieder den Umgang mit dem Lichtschwert zu erlernen?“. Er hätte auch gleich fragen können: „Schwingen Sie wieder das Lichtschwert?“. Auch die Fans sind so enthusiastisch. In meinem Haus weist nichts darauf hin, dass ich etwas mit diesen Filmen zu tun habe. Und dann geht man zu so einer Fan Convention, betritt die Bühne, und 2000 Menschen flippen aus. Das Erstaunliche an diesem Projekt sind die Geschichten, die die Menschen darüber teilen. Sie erzählen von schweren Zeiten in ihrem Leben und zitieren Yoda. Übrigens gibt es eine Aussage, die Sie wirklich unbedingt vermeiden sollten, wenn Sie jemals vor 2000 „Star Wars“-Fans stehen, nämlich: „Es ist doch nur ein Film.“ Man hätte denken können, ich hätte den Papst angespuckt! Schreie und Entrüstung! Dabei habe ich nur George Lucas zitiert. Wir hatten früher mal eine Meinungsverschiedenheit bei einer Szene mit dem Todesstern. Und George sagte schließlich: „Komm’ schon, es ist doch nur ein Film!“. Er hat es verschiedentlich wiederholt und ist damit durchgekommen. Ich nicht. Ich werde es nie wieder sagen. Diese Leute sind so leidenschaftlich.

Das Gespräch führte André Wesche

„Die letzten Jedi“ startet morgen in fast allen Kinos der Region. Kritik morgen in unserer Wochenbeilage treff.region.

Kylo Ren, der galaktische Schurke (Adam Driver).
Kylo Ren, der galaktische Schurke (Adam Driver). FOTO: null / Lucasfilm
Carrie Fisher (1956-2016) als Prinzessin Leia.
Carrie Fisher (1956-2016) als Prinzessin Leia. FOTO: David James / David James /Lucasfilm Ltd.