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Sabine Meyers Klarinettenspiel von delikater Leichtigkeit

Saarbrücken. Star-Klarinettistin Sabine Meyer begeisterte mit ihrer Mozart-Interpretation bei der vierten Matinée der Deutschen Radio Philharmonie (DRP) am Sonntag in der Saarbrücker Congresshalle unter Leitung von Pietari Inkinen. Helmut Fackler

Das Finale der 4. Matinée der Deutschen Radio Philharmonie (DRP) enttäuschte. Gastdirigent Pietari Inkinen "pinselte" Ludwig van Beethovens "Fünfte" routiniert, flott und pauschalierend herunter, wenig inspiriert, mit wenig Detail-Arbeit, mit wenig Sturm und Drang. Dafür aber mit einem ästhetisch anzuschauenden Dirigat. Begonnen hatte das Programm jedoch vielversprechend.

In "Fantasma/Cantos" ließ Tore Takemitsu die Klarinette von Sabine Meyer durch einen Klanggarten wandern, sensibel in üppige Orchester-Statik integriert. Japanische "Sumi-e"-Tuschmalerei, mit stimmungsvollen Bildern, zu deren Wechsel die Solo-Klarinette sanft hinein- und hinausführte. Natur pur auch in "Szene mit Kranichen" von Jean Sibelius, einer von sechs Teilen der Schauspielmusik zu "Kuolema", klangschön und sensibel von Inkinen inszeniert.

Dazu inspirierte er auch die kleine Besetzung der DRP in Wolfgang Amadeus Mozarts einzigem Klarinetten-Konzert KV 622, das letzte Solokonzert, das er vor seinem Tode geschrieben hat. Star-Klarinettistin Sabine Meyer hatte das Auditorium der Congresshalle gefüllt. Sie spielte dieses Paradestück wie Anton Stadler bei der Uraufführung auf der schwierigen Bassettklarinette, mit delikater Leichtigkeit, mit elegantem Registerausgleich und mit langem Atem. Ihr süßer, anschmiegsamer Ton im abgeklärten, melancholischen Adagio berührte zauberhaft. Die heiteren, schwungvollen, ja virtuosen Ecksätze wurden in den Soli zum innigen Dialog mit den fein disponierten Streichern. Inkinen modellierte mit Flöten, Fagotten, Hörnern und einem transparenten Streichersatz lichte Tuttis, homogene Übergänge und Schattierungen. Das wohl bedeutendste Klarinetten-Konzert der Musikgeschichte wurde zum Höhepunkt der Matinée, in einer begeisternden Interpretation.