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Staatstheater
Alles Walzer – Brigitta Matthieus Lebenserinnerungen

Als wenn’s gestern gewesen wär: Brigitta Matthieu (links) mit  Johannes Treffny und Ingrid Würtz-Rattunde in einer „Fledermaus“-Inszenierung am Saarbrücker Theater.
Als wenn’s gestern gewesen wär: Brigitta Matthieu (links) mit  Johannes Treffny und Ingrid Würtz-Rattunde in einer „Fledermaus“-Inszenierung am Saarbrücker Theater. FOTO: Julius C. Schmidt
Saarbrücken . Die Staatstheater-Sängerin berichtet aus ihrem Leben. Buchvorstellung am Samstag im Mittelfoyer des Großen Hauses. Von Oliver Schwambach
Oliver Schwambach

Ob da am Samstag das Mittelfoyer des Staatstheaters wohl ausreicht, wenn Brigitta Matthieu, kurz vor der Kaffeezeit, ihre Lebenserinnerungen serviert? Könnte eng werden, war und ist sie doch immer noch für viele Gesicht und Stimme der Saarbrücker Bühne. Aus Berlin, wo sie am Konservatorium studiert hat und bereits an der Oper sang, kam sie nach Saarbrücken. Als Soubrette legte sie los: Als Fachfrau also für die heiteren, munteren Töne. Was durchaus lebensprägend für die mittlerweile, man will’s nicht glauben, 83-Jährige war. Telefonate mit ihr sind jedenfalls wie Sonnenschein an trüben Novembertagen. Jedes ihrer Worte ist Melodie, ist Klang, und statt Pausen zwischen den Sätzen wird kurzerhand gelacht.


„Spielen Sie was Sie wollen, ich tanze Walzer“ heißt ihr Bändchen bezeichnenderweise, das im Grunde ein Wälzer sein müsste, bei all’ dem, was Frau Kammersängerin (seit 1988) so alles schon erlebte. Mit Johannes Heesters hat sie noch gearbeitet, war in der halben Welt auf Tour. Und in Saarbrücken eben nicht bloß eine Sängerin, die mit unbändiger Lust und Spiellaune Oper, Operette und auch Musical sang. Selbstverständlich gab sie  auch im Kinderstück alles, Ehrensache. Die Mathieu, eben eine Unverzichtbare – auch für den damaligen Intendanten Hermann Wedekind, der weit über seine Zeit an der Saarbrücker Bühne, von 1960 bis 1975, hier der Theatermann war. Intendant und Sängerin waren gewiss auch Seelenverwandte. „Theatergenie“ nennt Brigitta Matthieu ihren damaligen Chef ehrfürchtig. Trotzdem muss man nicht übermäßig Weihrauch bei der Lektüre fürchten: Jedes Kapitel birgt eine Anekdote, jede Seite zündet ein kleines Erinnerungsfeuerwerk. Das prickelt schön, ist aber auch mal flüchtig wie Champagner. Und gerade  so wie ein schöner Operettenabend mit der „Fledermaus“.

Buchvorstellung: Brigitta Matthieu, „Spielen Sie was Sie wollen, ich tanze Walzer!“, Samstag, 24. November, 14.30 Uhr, Mittelfoyer, Staatstheater.