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| 19:08 Uhr

Pure Nostalgie

Happy Hartmut: Pur-Sänger Hartmut Engler freute sich über seine 18 000 Fans. Fotos: Daniel Bittner
Happy Hartmut: Pur-Sänger Hartmut Engler freute sich über seine 18 000 Fans. Fotos: Daniel Bittner
Losheim. 2013 spielte Pur zum letzten Mal ein Open-Air-Konzert in Losheim am See. Am Samstag gastierte die deutsche Erfolgsband wieder dort – im mit 18 000 Besuchern ausverkauften Strandbad. Esther Brenner

Pur ist ein Phänomen. Seit über 30 Jahren hält sich die schwäbische Band um Sänger Hartmut Engler im Musikgeschäft - und immer noch begeistert sie die Massen. So auch am Samstag vor der fantastischen Kulisse des Losheimer Stausees. Pur-Frontmann Hartmut Engler kann den ungebrochenen Erfolg scheinbar selbst manchmal nicht glauben. Man nimmt sie ihm ab, seine Rührung, als er sich bei den Fans fürs Kommen bedankt - ein großer Teil von ihnen ist mit dem jetzt 54-Jährigen und der Band gealtert. Tatsächlich gleicht das Konzert einer Zeitreise zurück in die 1990er. Wer damals frisch verliebt war, den kann man heute womöglich als älteres Paar bei Pur treffen: Arm in Arm steht Er mit Ihr am See und wippt mit glasigen Augen zum Pur-Kuschelrock. . .

Da oben auf der Bühne rocken sie also, die reifen Helden aus den 90er Jahren, als Pur ihre größten Erfolge feierte. Ein paar frische Musiker sind zwar dazugekommen, aber der Sound - und Englers Stimme - klingen wie eh und je. Hier feiert man ein Fest der Nostalgie. Selbst die Jungen im Publikum scheinen diese Atmosphäre zu genießen - und sie kennen die alten Texte (von ihren Eltern?). Feiern trotz oder gerade wegen der angespannten Weltlage, des Terrors mitten in Deutschland, den einer wie Engler natürlich nicht unerwähnt lässt. Aus dem reichen Fundus der mehr oder weniger guten gesellschaftskritischen Pur-Songs aus drei Jahrzehnten passt eben immer auch ein Lied auf die desolate Weltlage (Hier ist es "Neue Brücken" von 1993).

18 000 Menschen feiern ein Konzert als verschworene Pur-Gemeinschaft, die sich selbstbewusst an den simplen, oft schnulzigen Texten Englers ergötzt und aus voller Kehle mitsingt. Wer kommt schon, um die Lieder des neuesten Albums "Achtung" zu hören, mit denen Pur den Abend eröffnet? Ach was, hören wollen die Fans alte Hits wie "Lena", "Funkelperlenaugen", "Freunde" oder "Abenteuerland".

Und Pur liefert. Einige Songs hat die Band zu sehr schönen Akustik-Medleys neu arrangiert. Anderes klingt noch so wie vor 20 Jahren. Die Fans sind aus dem Häuschen. Hartmut Engler ist es auch. Mag sein, dass er kein großer Lyriker ist. Und auch die Musik der Band ist eher simpel gestrickt. Was soll's! Hier geht es um das Zusammengehörigkeitsgefühl, um den Spaß, aber auch um ein paar sehr simple, leicht verständliche Botschaften: "Achtung und Respekt" sind solche.

Und ja, Engler gelingen manchmal tatsächlich sehr schöne Verse. Ist er nun wirklich der gefühlvolle Frauenversteher, dessen blumige Balladen beim weiblichen Publikum mitten ins Herz treffen? Er hat jedenfalls einen exzellenten Draht zu den Frauen, deren Männer - wenn sie auch wirken, als seien sie peinlich berührt von so viel Gefühlsduselei - gerne mal verstohlen mitsingen: "Ich lieb' dich, egal wie das klingt" - Einfach locker bleiben und raus damit! Singt euch frei mit Hartmut, kommt mit ins "Abenteuerland". Es war wieder schön mit den älteren Herren aus dem Schwabenländle. Pure Nostalgie eben. Danke.

Jung und Alt gemeinsam begeistert von Pur im vollen Strandbad.
Jung und Alt gemeinsam begeistert von Pur im vollen Strandbad.