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Günter Rohrbach Filmpreis in Neunkirchen
„Du wirst unserer Liebe nicht entgehen!“

Glückwunsch! Iris Berben gratuliert Günter Rohrbach in der Gebläsehalle zum 90. Geburtstag.
Glückwunsch! Iris Berben gratuliert Günter Rohrbach in der Gebläsehalle zum 90. Geburtstag. FOTO: Jörg Jacobi
Neunkirchen. Die achte Verleihung des Rohrbach-Filmpreises in Neunkirchen war eine der unterhaltsamsten bisher. Nicht zuletzt durch den Jubilar, Filmproduzent Günter Rohrbach selbst: Er ist kein Freund von Lobeshymnen auf sich und kann zum Schrecken des Moderators werden.  Von Tobias Kessler
Tobias Kessler

Armer Peter Lohmeyer. Zuhause ein Wasserschaden, wie er in seiner Eingangsmoderation erzählte. Und hier, in der Neunkircher Gebläsehalle, eine Naturgewalt namens Günter Rohrbach. Der 90-Jährige redet ja nicht gerne über sich, und auf die Bühne zu einem Interview bewegen ließ er sich erwartungsgemäß nicht („es geht hier doch um die Filmemacher“); und dann geschah die Sache mit dem Billy-Wilder-Zitat: Der soll, als er mal wieder einen Filmpreis entgegen nahm, gesagt haben – hier familienfreundlich zusammengefasst –, dass solche Preise so unvermeidlich seien wie Hämorrhoiden, irgendwann wäre halt jeder dran. Als Lohmeyer das humoristisch zitierte, griff sich Rohrbach in der ersten Reihe dann doch noch mal das Mikro. Höflich, aber deutlich erklärte er, so etwas dürfe man vielleicht als Preisträger sagen – aber doch nie als Moderator. „Merken Sie sich das.“ Man kann davon ausgehen, dass Lohmeyer das tun wird.


Ein denkwürdiger Freitagabend in Neunkirchen war das, eine der unterhaltsamsten Rohrbach-Preisverleihungen bisher, auch wenn sie ein paar Minuten zu lang geriet. Lohmeyer hatte die langjährige Moderatorin Sabrina Staubitz abgelöst und führte mit seinem leicht schlurfenden Charme durch den Abend. Nur an seiner Imitation der saarländischen Mundart muss er noch feilen.

Günter Rohrbach Filmpreis 2018 FOTO: Kreisstadt Neunkirchen


Um die Filme und ihre Preise ging es natürlich, aber auch um Jubilar Rohrbach, der am 23. Oktober 90 Jahre alt geworden ist. Als Gratulantin war ein Überraschungsgast eingeflogen – Iris Berben, zurzeit Präsidentin der Deutschen Filmakademie, deren erster  Präsident Rohrbach 2003 bis 2010 war. Sie zeichnete seine beispiellose Karriere nach, während der der gebürtige Neunkircher  als Fernsehspiel-Chef des WDR Talente wie Fassbinder und Wolfgang Petersen förderte, den „Tatort“ miterfand, als Chef der Bavaria den Welterfolg „Das Boot“  zu Wasser ließ und bei alldem „Popularität und Aufklärung“ miteinander verband.

Viel Beifall gab es für diese liebevolle Rede und eine „standing ovation“ für Rohrbach. Da wirkte er, der bekanntermaßen Premieren eigener Filme meidet, weil das Rote-Tepich-Flanieren seine Sache nicht ist, in der Tat gerührt – bemerkte danach aber „Lange hätte ich das nicht mehr ausgehalten“. Dennoch hatte er noch Elogen per Videobotschaft vor sich (von Senta Berger, Regisseurin Aelrun Goette, Burghart Klaußner, Lohmeyer, August Zirner) und noch eine live in der Gebläsehalle: Regisseur Leander Haußmann war angereist für die Laudatio auf Darsteller-Preisträger Alexander Scheer, der in Andreas Dresens „Gundermann“ den gleichnamigen Ost-Liedermacher spielt. Haußmann ließ sich nicht den innigen Gruß an Rohrbach nehmen: „Du wirst unserer Liebe nicht entgehen“, sagte er und: „Ich liebe Dich und bin froh, dass Du da bist.“

Das ging durchaus ans Herz – man hatte bei Haußmanns Rede aber lange genug Zeit, der Rührung Herr zu werden. Denn wonnig zwirbelte er Exkus an Exkurs über Alexander Scheer, den er einst als pickeligen Nachwuchsdarsteller für seine „Sonnenallee“ entdeckt hatte. Und Scheer grüßte aus Hamburg, wo er für ein David-Bowie-Musical probt, mit einer laaaaangen, aber witzigen Videobotschaft, in der seinen Gedankenfluss strömen ließ über Themen wie Deutschlands Osten oder  die Volksbühne Berlin und das Ganze mit Bowies „Heroes“ krönte.

Der große Gewinner des Abends, den die Schoenen deutsch-französisch mit jazzigem Chanson-Pop veredelten, war Thomas Stubers „Unter den Gängen“. Der melancholische Film über Leben und Arbeit von Menschen in einem Großmarkt  erhielt den Preis des Oberbürgermeisters für Darsteller Franz Rogowski („Danke an Neunkirchen für den guten Geschmack, auch in meinem Fall“) und den Hauptpreis. Regisseur Stuber erinnerte an ihn inspirierende deutsche Filmemacher wie Fassbinder und Roland Klick, die rauere, ungeglättete Bilder der Wirklichkeit ins Kino brachten. Und: „Ich wollte einen Arbeiterfilm drehen.“ Was ja gut passt zur Vorgabe des Preises – Werke über die Arbeitswelt auszuzeichnen.

Theaterstar Susanne Wolff nahm einen Darstellerpreis für „Styx“ entgegen, Wolfgang Fischers intensiven Film über „das Jahrundertthema Migration“ (Laudator und Ministerpräsident Tobias Hans, CDU). Markant war auch die Rede von Neunkirchens scheidendem Oberbürgermeister Jürgen Fried (SPD), dessen Nachfolger/Nachfolgerin den Wert des Rohrbach-Filmpreises hoffentlich zu schätzen weiß. Er sehe Kultur als „Motor der Stadtentwicklung“, die nicht „ohne Kampf“ möglich sei. Und bei Film und Fernsehen vermisse er gute Rollen für Frauen über 50, die gerne auch der Saarländische Rundfunk vergeben könne. An dessen Intendanten Thomas Kleist gewandt, sagte er: „Lieber Thomas, das wäre doch mal eine Ansage.“