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Fotoprojekt „Pixxelcult“
Präzise Blicke auf die Heimat

Ein Völklinger Motiv von Ekaterina Solovieva. Foto: Solovieva
Ein Völklinger Motiv von Ekaterina Solovieva. Foto: Solovieva FOTO: Ekaterina Solovieva
Saarbrücken. Die virtuelle Foto-Ausstellung PixxelCult hat sich in Saarbrücken vorgestellt. Von Astrid Karger

PixxelCult ist eine virtuelle, kuratierte Fotoausstellung, eine website (www.pixxelcult.de), die zeitgenössische Fotokunst und kulturelles Gedächtnis der Großregion zusammenbringen will. Am Samstag hat sich das Projekt bei einer Feierstunde im Historischen Museum vorgestellt – einen „haptischen Platz“ versprach Hausherr Simon Matzerath. 


PixxelCult wurde 2016 freigeschaltet, das Konzept kommt aus dem Ruhrgebiet, ins Saarland brachten es André Mailänder, der in Dortmund Fotografie studiert hat, und Thomas Roessler, ebenfalls ambitionierter Fotograf und am Historischen Museum tätig. Mailänders „Industrieland Saar“ oder Roesslers „Bodenforschung“ zwischen Völklingen und Forbach können ebenso wie die Arbeiten von 25 weiteren Fotografen betrachtet werden. Eine neunköpfige Jury mit Vertretern aus Lothringen, Luxemburg, Rheinland-Pfalz, Wallonien, sowie für das Saarland Roland Augustin (Saarlandmuseum) und Rolf Sachsse (Kunsthochschule) wählt unter den Einreichungen aus, was unter pixxelcult.de zu sehen ist.

Werner Raubers Haldenserie etwa zeigt den Ansatz exemplarisch. Die Serie heißt: „Saarländische Topographie: Vom Menschen veränderte Landschaft“. Sie nimmt direkten Bezug auf die New Yorker Ausstellung „New Topographics“, die 1975 den Blick weg von der unberührten, grandiosen Natur (Ansel Adams) auf von Menschen Gemachtes, auf den Stadtrand, die Zersiedelung richtete. Raubers Halden erfüllen auch den Anspruch der streng formalen Serie, schwarz-weiß, gleicher Aufnahmestandpunkt, gleiche Lichtverhältnisse. In den Siebziger Jahren dokumentierte das Künstlerpaar Bernd und Hilla Becher vom Untergang bedrohte Industriebauten. Die Ästhetik ihrer technisch anspruchsvollen, betont sachlichen Fotoserien von Fördertürmen, Wassertürmen etc. wurde stilbildend.

Kultusminister Ulrich Commerçon (SPD), seit November zuständig für „Industriekultur“, wünschte sich bei der Feierstunde neben dem Erhalt von Baudenkmälern einen Fokus auf die Menschen. Generalkonsulin Catherine Robinet zeigte durch ihre Präsenz Frankreichs Interesse an der Großregion. Bärbel Bergerhoff-Wodopia von der RAG hoffte mit einem herzlichen „Glück auf!“ auf ein Weiterleben bergmännischer Werte und Tugenden. Der Verein „PixxelCult“ erhält finanzielle Unterstützung vom saarländischen Ministerium für Bildung und Kultur, Saartoto und der RAG-Stiftung.

Dem Pariser Essayisten Hervé Le Goff gelang bei seinem Vortrag mit Fotobeispielen aus drei Jahrhunderten ein schillernder Gang durch die Geschichte der Fotografie, der sehr passgenau die PixxelCult-Aspekte kulturelles Gedächtnis und Dokumentarfotografie berücksichtigte. Die ersten Aufnahmen der Cheops-Pyramiden dienten der Anschauung, hinein kopierte Menschen dem Größenvergleich: die Fotografie als Garant von Objektivität. Ganz anders später die Piktorialisten, die Malerisches, Schönheit und Poesie in den selben Pyramiden suchten. Nur noch auf alten Fotos zu sehen sind die Pariser Hallen, der Trocadéro, die Pissoirs. Le Goff integrierte Fotografien der PixxelCult-Künstler in seinen Vortag. „Völklingen. Spuren der Vergangenheit“ etwa zeigt Jekaterina Solovieva, verloren bis abweisend wirkt alles im Schatten des einst bestimmenden Kolosses Völklinger Hütte. Berthold Königs nüchterner Blick auf „Architektur im saarländisch-lothringischen Kohlerevier“ könnte Einheimische wie Zugezogene recht nachdenklich stimmen. Wie viel versöhnlicher sind da Ruth Stolzenbergs humorvolle Ansichten ihrer Heimat Schengen. Menschenleer ist das Haus von „Josefine“, das Jutta Schmidt in Urexweiler besucht und die Spur der letzten Bewohner zart aufnimmt, ihr „Flickwerk“, ihre Alltagsgegenstände sprechen lässt.



„PixxelCult“ will nicht nur virtuell agieren, Workshops sind geplant und weitere Zusammenkünfte. „Man fotografiert, weil man Augen hat und etwas sagen möchte“, sagte schon der Fotograf Robert Frank und mahnte, sich nicht zu sehr auf den „kleinen Apparat“ zu verlassen. „PixxelCult“ gibt Raum für diese individuellen Blicke auf die Großregion.