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Professor Dittmann gestorben
Prägende Figur der Kunstszene

Lorenz Dittmann und seine Frau Marlen im Jahr 2015.
Lorenz Dittmann und seine Frau Marlen im Jahr 2015. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Der Saarbrücker Kunsthistoriker Lorenz Dittmann ist mit 89 Jahren gestorben. Von Cathrin Elss-Seringhaus
Cathrin Elss-Seringhaus

Er verfasste Standardwerke über „Farbgestaltung und Farbtheorie in der abendländischen Malerei“ (1987), betreute an der Saarbrücker Universität 51 Doktoranden und forschte über Grünewald, Cézanne und Matisse. Doch Professor Lorenz Dittmann (89) schloss sich nicht ein im kunsthistorischen Elfenbeinturm, er war ein Kulturbürger. Ein Mann, der nicht nur persönlich neugierig war auf die Kunstszene der Region, in der er, der gebürtige Münchner, seit 1977 lebte. Dittmann stellte sich auch in den Dienst des Landes, das ihn vom Kunsthistorischen Institut der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen wegberufen hatte. So war er etwa als Gründungsmitglied des Kuratoriums der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz tätig, als Berater im Beirat der St. Ingberter Albert-Weisgerber-Stiftung oder als Jurymitglied beim Sparda-Bank Preis für Kunst im öffentlichen Raum. Sein Wort galt etwas im Land.


Auch am Institut für Kunstgeschichte galt Dittmann als prägende Figur, die dem universitären Betrieb weit über die Emeritierung im Jahr 1996 hinaus eng verbunden blieb. „Die Kunstgeschichte verliert einen umfassend gebildeten, reflektierten und innovativen Gelehrten“, heißt es in einem Nachruf der Universität. Das Saarland muss auf einen für das Gemeinwesen engagierten Intellektuellen alter Schule verzichten. Denn nicht nur Kulturminister und Museumsdirektoren schätzten Dittmanns Kompetenz, Seriosität und Unparteilischkeit, sondern auch viele hiesige Künstler. Für sie war er keine ferne akademische Instanz, sondern eine Autorität, die zum Austausch bereit war. Das lag an Dittmanns Leitlinie: „Man darf sich nicht von irgendwelchen Theorien leiten lassen, sondern muss vom Sichtbaren ausgehen, also das, was sichtbar ist, beschreiben.“ Diese Maxime verbot ihm im Zusammenspiel mit seinem höflichen, feinsinnigen Naturell jede Polemik, jedes Kritikastertum. Wie kaum ein zweiter seiner Fachkollegen engagierte sich der Saarbrücker Professor für zeitgenössische Künstler seiner Region, unzählige Katalogtexte und Würdigungen hat er geschrieben, noch mehr Reden gehalten. Wobei Lorenz Dittmann dem Werk hiesiger Protagonisten die gleiche wissenschaftliche Ernsthaftigkeit zuteil werden ließ wie allen seinen Gegenständen. Besonderes Augenmerk genossen Boris Kleint, August Clüsserath, Paul Schneider, Jo Enzweiler, Oskar Holweck und Lukas Kramer.

Für Dittmann galt: Er mischte sich nicht ein, er drängte sich nicht auf, er wurde gefragt – und überließ die kulturpolitischen Aufrufe und Statements gerne seiner Frau Marlen (geb. 1940). Als Architekturkritikerin und Werksbund-Vorsitzende war und ist sie für die Bürger zweifelsohne das bekanntere Gesicht des Dittmann-Duos. In Aachen lernte sich das Paar kennen, 1965 wurde geheiratet. Man kannte sie noch bis vor zwei Jahren im Miteinander, bis eine Demenz-Erkrankung Lorenz Dittmann in ein Pflegeheim zwang. Er starb am 11. März.