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Nachruf
Pionier der Weltmusik: Zum Tod von Hugh Masekela

Saarbrücken. Von Ulrich Rüdenauer Von Uli Rüdenauer

Was macht eine Musik-Legende aus? Vielleicht muss zum Können, zum genialischen Moment, zur kreativen Kraft immer noch etwas hinzukommen – ein bestimmter historischer Moment und ein willensstarker Charakter, den der Künstler anderen Persönlichkeiten voraus hat. Der 1939 geborene Hugh Masekela wuchs in einem Township im südafrikanischen Witbank auf. Musik war für ihn mehr als nur ein „Hobby“; sie war Ausdruck von Freiheit und Entgrenzung – etwas Existenzielles.



Mit 14 kam er zur Trompete, ein paar Jahre später erkannte Louis Armstrong sein Talent und schenkte ihm sein Instrument. 1959 gründete Masekela unter anderem mit Dollar Brand die Hard Bop-Formation Jazz Epistles, die für den südafrikanischen Jazz eine entscheidende Rolle spielte. Im Exil in England und den USA studierte er dank prominenter Förderer wie Yehudi Menuhin; er veröffentlichte etliche Platten, trat beim Monterey Pop Festival auf, ließ sich von vielen Genres anregen und arbeitete mit so unterschiedlichen Musikern wie Harry Belafonte, Fela Kuti, den Byrds, Paul Simon oder Miriam Makeba, mit der er zeitweise verheiratet war.

Seine Herkunft verpflichtete Hugh Masekela zum Kampf gegen die Apartheid: Sein Nelson Mandela gewidmeter Protest-Song „Bring Him Back Home“ wurde zur Hymne. Masekelas ureigener Mbaqanga-Stil vermischte Zulu-Traditionen mit modernen Pop-, Jazz- und Reggae-Rhythmen. Ohne Frage: eine Legende des Afro-Jazz und der heutigen Weltmusik. Nun ist Hugh Masekela, der vor fast zehn Jahren an Prostatakrebs erkrankt war, im Alter von 78 Jahren in Johannesburg im Kreis seiner Familie gestorben.