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Documenta
Die Kasseler Kräne kamen im Morgengrauen

Das war einmal: Der Obelisk ist nun abgebaut und eingelagert.
Das war einmal: Der Obelisk ist nun abgebaut und eingelagert. FOTO: dpa / Swen Pförtner
Kassel. Der umstrittene documenta-Obelisk in Kassel ist abgebaut – nach langem Hin und Her zwischen der Stadt und dem Künstler.

Nach monatelangem Streit hat die Stadt Kassel das documenta-Kunstwerk Obelisk von seinem Standort entfernen lassen. Die Arbeiten mit schwerem Gerät begannen überraschend gestern morgen. Die Stadt verwies auf den abgelaufenen Leihvertrag mit dem amerikanisch-nigerianischen Künstler Olu Oguibe. Die 16 Meter hohe Steinsäule mit dem Bibelzitat „Ich war ein Fremdling und ihr habt mich beherbergt“ stand auf dem Königsplatz. Oguibe wollte sein Kunstwerk dort belassen, die Stadt lehnte das ab und schlug einen anderen Ort vor.


  Die Verträge für den Königsplatz waren am Sonntag ausgelaufen. Am Montag hatte ein Stadtsprecher erklärt, es würden „Vorbereitungen für einen möglichen Abbau geprüft und gegebenenfalls eingeleitet“. Man sei aber weiter zu Gesprächen bereit. Vorangegangen waren monatelange Verhandlungen über den Standort (wir berichteten). Immer wieder hatten sich Künstler und Stadt einen Schlagabtausch geliefert, mehrfach schienen sowohl das Aus als auch ein Durchbruch nahe. Im August war Oguibe erneut nach Kassel gereist, mehr als 100 Menschen hatten zu diesem Anlass für den Erhalt der Steinsäule demonstriert, die in vier Sprachen das Thema Flucht aufgreift. Entstanden war sie für die documenta 14, die im September 2017 zu Ende gegangen war.

 Nach dem gestrigen Abbau erklärte der Künstler nach Angaben seines Galeristen Alexander Koch, er habe noch nicht alle Hoffnungen in Bezug auf sein Kunstwerk aufgegeben, „aber wenn der Obelisk nicht in Kassel bleiben sollte, ist es ein Verlust für Kassel, nicht für mich“. Oguibe hatte argumentiert, das Kunstwerk sei eigens für den Königsplatz konzipiert worden. Die Stadt will den Platz aber für weitere Ausstellungen frei halten.



Dass das Kunstwerk nun am frühen Morgen eines Feiertags entfernt wurde, begründete die Stadt damit, dass die Arbeiten an einem verkaufsfreien und verkehrsruhigen Tag zu weniger Beeinträchtigungen geführt hätten und so die größtmögliche Sicherheit gewährleistet gewesen sei. Arbeiter rückten mit großen Kränen an und transportierten den Obelisken in mehreren Einzelteilen ab. Die Entscheidung, was nun damit geschehen solle, obliege dem Künstler, teilte die Stadt mit.

Auf einen Brief von Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) mit einem Vertragsentwurf über einen Ankauf und eine Versetzung des Kunstwerks auf die in der Nähe liegende Treppenstraße gebe es weiter keine Antwort, hieß es gestern.

Jede documenta hinterlässt im Kasseler Stadtbild Spuren. Oft sind es Publikumslieblinge, die über Spenden angekauft werden. Auch für den Obelisken hatte es eine Spendenaktion gegeben, die 126 000 Euro erbracht hatte. Nun werde die Rückzahlung des Geldes veranlasst, erklärte die Stadt.