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Trierer Wahrzeichen
Neues von der Porta Nigra: Sie war „rein zum Angeben“



Marcus Reuter, der Direktor des Rheinischen Landesmuseums in Trier.
Marcus Reuter, der Direktor des Rheinischen Landesmuseums in Trier. FOTO: Harald Tittel / picture alliance / dpa
Trier. Wie alt das römische Stadttor ist, wusste bislang niemand genau. Das Rätsel haben jetzt Wissenschaftler in Trier gelöst.

Ein Stück Eichenholz brachte den Durchbruch, sechs Meter tief im aufgeweichten Boden zwischen Steinquadern an der römischen Stadtmauer nahe der Porta Nigra. Anhand seiner Jahresringe konnte es genau auf den Winter 169/170 nach Christus datiert werden und Wissenschaftlern das Datum liefern, nach dem sie schon lange gesucht haben. „Jetzt wissen wir endlich, dass der Bau der Porta Nigra im Frühjahr 170 begonnen hat“, sagte der Direktor des Rheinischen Landesmuseums Trier, Marcus Reuter, am Freitag. Es sei schon „bitter gewesen“, dass im Grunde vorher niemand wusste, wann diese weltberühmte Porta gebaut wurde. Die Vermutungen der Forscher reichten bisher von 150 bis 320 nach Christus.



Um Klarheit zu bekommen, war im vergangenen Herbst an einer Stelle gegraben worden, an der zu antiken Zeiten der Mosel-Altarm verlief. „Wir dachten, im Grundwasser könnten sich Bauhölzer erhalten haben“, sagte der Museumschef. 25 000 Euro kostete die Grabung, 15 000 Euro kamen von der Gerda-Henkel-Stiftung. „Ohne die wäre es nicht gegangen.“ Dann stiegen Studenten in den mit Spundwänden gesicherten runden Schacht – und der Krimi begann. Eine Spundwand aus Holz fand man, die die Römer wohl eingezogen hatten, um das Abrutschen des Erdreichs während des Bauens zu verhindern. Zwei große Bretter und einen runden Pfahl habe man dann geborgen – und später dann das Entscheidende: ein Stück Rinde und damit die kompletten Jahresringe. Das Museum schloss vom Fälldatum auf das Baudatum, denn das Holz wurde damals sofort nach der Fällung verarbeitet.

Reuter geht davon aus, dass der Bau der Porta Nigra ein bis zwei Jahre dauerte. Die rund 6,4 Kilometer lange Stadtmauer habe vermutlich ein paar Jahre länger gedauert. „Aber auf keinen Fall so lange wie der Berliner Flughafen und auch keine zehn Jahre.“ Der Teil der Mauer, an dem das Holz geborgen wurde, und die Porta Nigra seien seiner Ansicht nach in einem Abschnitt gebaut worden.

Besonders an dem Entstehungsdatum sei, dass es damals überhaupt keine „militärische Notwendigkeit“, sprich keine Bedrohung, für das antike Trier gab, solch eine Mauer mit vier Stadttoren zu bauen. „Das ist ein reines Prestigeobjekt gewesen. Das war rein zum Angeben.“

Der naturwissenschaftliche Beweis für das Alter von Stadttor und Mauer bringt Licht in ein Kapitel der Stadtgeschichte, in dem es noch viel Unbekanntes gibt. „Wir wissen zwar, dass Trier 17 vor Christus gegründet wurde, aber wir wissen relativ wenig, wie sich die Stadt in den ersten 300 Jahren entwickelt hat“, sagte Reuter. Nun könne vieles neu bewertet werden.



Doch ein Geheimnis wird auch die Porta weiter haben: Warum sie denn so schwarz ist? „Das weiß keiner“, sagte Reuter. Die Kruste gehe wohl auf irgendwelche Ablagerungen zurück, die den Stein aber auch schützten. Das Bauwerk sei bereits im 11. Jahrhundert als „Schwarzes Tor“ bezeichnet worden. „Autoabgase waren es jedenfalls nicht.“