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Zehn Jahre Freunde des Balletts am Saarländischen Staatstheater
Neue Freunde für junge Tänzer gesucht!

Der Vorstand der Freunde des Balletts (v. links): Verena Feldbausch, Jürgen Klein, Gisa Kumposcht (es fehlt Laura Theiss). Foto: Esther Brenner
Der Vorstand der Freunde des Balletts (v. links): Verena Feldbausch, Jürgen Klein, Gisa Kumposcht (es fehlt Laura Theiss). Foto: Esther Brenner FOTO: Esther Brenner
Saarbrücken. Die „Freunde des Balletts“ des Saarländischen Staatstheaters feiern ihr zehntes Jubiläum. Sie wollen verstärkt jüngeres Publikum für den Tanz begeistern. Von Esther Brenner
Esther Brenner

Es ist eine treue Truppe, die sich am Saarländischen Staatstheater (SST) um das Ballett kümmert: Seit ihrer Gründung vor zehn Jahren sind Gisa Kumposcht, Jürgen Klein und Verena Feldbausch (mit einem Jahr Pause) für die derzeit 17 Tänzerinnen und Tänzer (und zwei Eleven) aktiv. Zusammen mit der Modedesignerin Laura Theiss bilden sie den Vorstand der Ballettfreunde. Wie der Sponsorclub des Theaters sind die Ballettfreunde nicht als Verein organisiert, sondern sie verstehen sich als Förderer, die durch ihre Spenden und die Werbung von Sponsoren den Tänzern Extras ermöglichen. „Eine Tänzerkarriere ist meist kurz. Die Tänzer gehen körperlich an ihre Grenzen“, sagt Verena Feldbausch. „Wir wollen ihnen zum Einen Extras wie regelmäßige Physiotherapie ermöglichen. Andererseits wollen wir sie unterstützen, wenn sie als Berufstänzer aufhören müssen und in andere Berufe wechseln.“ Und dann sind es auch die bereichernden persönlichen Kontakte zwischen den Ensemble-Mitgliedern aus aller Welt und „ihren“ Freunden im Saarland, die es zu pflegen gilt.


Ins Leben gerufen hatte den Freundeskreis Marguerite Donlon, die Vorgängerin des derzeitigen Ballettchefs Stijn Celis, der in der glücklichen Lage war, mit diesem engagierten Unterstützerkreis in Saarbrücken starten zu können. Damals suchte Donlon „Paten“ für ihre Donlon Dance Company. Sie fand neben Klein, Kumposcht und Feldbausch auch prominente Unterstützer, wie die Schauspielerin Katja Riemann, die sich allerdings kaum in Saarbrücken blicken ließ, und Brigitte von Boch. Sie verließ die Freunde im Zuge des bitteren Abgangs von Marguerite Donlon aus Protest. Die verbliebenen „Paten“, die sich jetzt in „Vorstand“ umbenannt haben, wollen nun verstärkt neue, auch prominente Förderer gewinnen. Denn es fehle noch an solventen Firmensponsoren. Und so macht sich der Vorstand zurzeit Gedanken, welche Firmen zum zeitgenössischen Tanz passen könnten. Verena Feldbausch denkt an junge Kreativunternehmer­Innen, die bereit wären, mit einem Betrag von mindestens 300 Euro einzusteigen (Einzelpersonen bezahlen 60 Euro, Paare 90 Euro, Studenten/Schüler 20 Euro).

Junge Tänzer und junge Unternehmer – diese Kombination könnte vielversprechend sein. Ein neuer Facebook-Autritt soll die Freunde bekannter machen und auch auf In­stagram ist die Kompagnie jetzt zu finden. Zudem wollen die Ballettfreunde wieder präsenter sein. „Bei Premieren und beim Tanzfestival, das am Donnerstag beginnt, wird es für unsere Mitglieder ab jetzt in der Pause ein Gläschen Crémant geben“, kündigt Gisa Kumposcht an. Außerdem kommen die Freunde in den Genuss von Probenbesuchen, Workshops und reservierten (wenn auch nicht rabattierten) Kartenkontingenten. Im Zuge der angestrebten Verjüngung wird es nun erstmals auch kein großes, förmliches Gala-Dinner geben, sondern eine lockere Sommerparty im August auf dem Saarbrücker Theaterschiff. Geplant ist außerdem ein Ballett-Kalender zum zehnten Jubiläum, der beim Theaterfest zur Saisoneröffnung im August verkauft werden soll – zugunsten der Tänzer. Auch um eine Wiederbelebung der Montags-Workshops für Tanzbegeisterte mit Profi-Tänzern wollen sich die Freunde kümmern.



Kurzum: Die Ballettfreunde wollen helfen, den Tanz in Saarbrücken wieder mehr in den Fokus zu rücken. Denn es gibt treue Fans. Trotz des Wechsels an der Ballettspitze vor vier Jahren sei die Zahl der Unterstützer – derzeit um die 80 – kaum zurückgegangen. Auch das Verhältnis zu Stijn Celis sei sehr gut, betont Jürgen Klein. Gleichwohl würden sich die „Freunde des Balletts“ über mehr Unterstützung seitens des Compagnie-Managements freuen. Sie wissen: Künstlerische Arbeit will vermarktet werden. Und das ist schwieriger geworden, seit mit Antritt des Intendanten Bodo Busse eine Pressesprecherin für die Tanz-Sparte eingespart wurde. Mehr Präsenz in der öffentlichen Wahrnehmung würde womöglich auch den Freundeskreis erweitern und damit dem Ballett zugute kommen, finden die Vorstände.

Das Ballett wird zukünftig übrigens „Saarländisches Staatsballett“ heißen. Dieser staatstragende Titel soll sich auch positiv auf die Vermarktung des Ensembles bei Gastspielen auswirken, sagt Kompagnie-Manager Klaus Kieser.