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Mut zu einfachen Akkorden: Clara Haberkamp Trio im Weltkulturerbe

2011 gewann sie mit ihrem Trio den Jazz Baltica Förderpreis: Clara Haberkamp (26). Foto: Dingler
2011 gewann sie mit ihrem Trio den Jazz Baltica Förderpreis: Clara Haberkamp (26). Foto: Dingler FOTO: Dingler
Völklingen. Es war eine eigenartige, selten gehörte Mischung, die das Clara Haberkamp Trio am Freitag zum Finale des diesjährigen Völklinger Hüttenjazz bot: Auf der einen Seite gesungene Balladen, sich häufig in Richtung Popmusik bewegend, auf der anderen Seite komplizierter Frickel-Jazz, meist instrumental. Sebastian Dingler

Ja, sie habe die Angst vor ganz einfachen Akkorden irgendwann verloren, sagte Pianistin und Sängerin Haberkamp nach dem Konzert - früher im Studium sei man ja eher verkopft gewesen. Auch liebe sie manche Pop-Musik wie die der Beach Boys oder Joanna Newsom; im Jazz beeinflussten sie Keith Jarrett und Shirley Horn. So lebte das Konzert vom stilistischen Kontrast und den drei eigenwilligen Musikern, die seit sechs Jahren zusammen spielen. Gerade Bassist Dan Peter Sundland scherte sich sehr wenig um Konventionen, schon erkennbar an seiner Art, den E-Bass steil nach oben wie einen Kontrabass zu spielen; dazu verwendete er sogar manchmal einen Bogen. Für Schlagzeuger Tilo Weber war das Konzert eine Art Reise in die Vorvergangenheit, hatte sein Großvater doch tatsächlich an gleicher Stelle sein Brot verdient. Für ein besonders vertracktes Solo erntete er als Erster der Drei spontanen Zwischenapplaus. Haberkamp wiederum überzeugte mit frischer Stimme ("Gesang habe ich nie studiert") und ihrer erwähnten Bandbreite am Piano.


Bereits nach einer Stunde war das Konzert samt Zugabe vorbei - das sei immer so und bewusst eingerichtet worden, um den viel gebuchten Jazzmusikern einen weiteren Auftritt am Freitagabend zu ermöglichen, erklärte Hendrik Kersten, Projektleiter der Völklinger Hütte. An diesem Abend enttäuschte dieses abrupte Ende - das Clara Haberkamp Trio hätte man gerne noch ein paar Stücke lang gehört.