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Muss Bourne uns vor Trump retten?

„Jason Bourne“ (in der Titelrolle Matt Damon) beginn in Athen, wo die Folgen der Banken- und Eurokrise kulminieren.
„Jason Bourne“ (in der Titelrolle Matt Damon) beginn in Athen, wo die Folgen der Banken- und Eurokrise kulminieren. FOTO: Universal Pictures
Die Bourne-Filme, die Peter Greengrass mit Hauptdarsteller Matt Damon nach den Romanen von Robert Ludlum gedreht hat, sind anders als James-Bond-Filme mehr im Hier und Jetzt verankert. Morgen läuft mit „James Bourne“ der vierte in vielen Kinos der Region an. SZ-Mitarbeiter Martin Schwickert sprach mit Matt Damon über das Bourne-Konzept und unsere Gegenwart.

Warum hat es fast zehn Jahre gedauert, bis ein neuer "Bourne"-Film gedreht wurde?


Damon: Eigentlich hatten die "Universal"-Studios für 2012 eine Fortsetzung ins Auge gefasst, aber wir hatten zu dem Zeitpunkt einfach noch keine Story. Trotzdem haben wir die Idee nie ganz fallen gelassen. Es schien, dass die Fans noch auf eine Fortsetzung warteten.

Was unterscheidet Bourne von seinem Konkurrenten Bond?



Damon: Uns war es immer wichtig, dass sich die Bourne-Filme sehr gegenwärtig anfühlen und eng mit der Welt, in der wir leben, verbunden sind. Die ersten drei Filme waren fest in der Ära George W. Bush und dessen "War on Terror" verankert. In "Bourne Ultimatum" zeigten wir die US-Foltermethoden des "Waterboarding" und alle Action-Szenen waren in Madrid, London oder New York angesiedelt - eben jene Städte, die die Jahre zuvor von terroristischen Anschlägen heimgesucht wurden. Der neue Film beginnt an der mazedonisch-griechischen Grenze, wo zur Zeit die Flüchtlingsströme herübergehen. Wir zeigen Demonstrationen in Athen gegen die EU-Sparpolitik, und es geht um das Verhältnis zwischen Privatsphäre und Sicherheit, was eine der zentralen Fragen unserer Zeit ist. Als wir darüber nachdachten, was seit dem letzten Bourne-Film 2007 alles passiert ist, haben wir gemerkt, welche enormen Veränderungen es in der Welt während der letzten zehn Jahre gab.

Woran denken Sie dabei?

Damon: 2007 war Bush noch Präsident. Viele haben ihren hohen Lebensstandard mit geliehenem Geld finanziert. Die Wirtschaftskrise war noch nicht in Sicht. Unternehmen wie "facebook" waren noch kleine Start Ups und keine mächtigen, transnationalen Konzerne wie heute. Damals war noch nicht klar, in welchem Umfang man unser digitales Leben ausspioniert. Mit Blick auf all diese Veränderungen dachten wir, es sei eine gute Idee, die Bourne-Figur durch diese neue politische Landschaft laufen zu lassen.

Die digitalen Überwachungsmethoden der Geheimdienste sind zentrales Thema. Spiegelt der neue Film ein gewachsenes Bewusstsein der US- Gesellschaft in der Nach-Snowden-Ära?

Damon: Snowdens Enthüllungen waren in den USA ein großer Skandal. Aber ich glaube, wir wachen erst langsam auf und beginnen zu verstehen, welche Implikationen die digitalen Kommunikationstechnologien haben. Ich halte das für eine der wichtigsten Debatten, die wir führen müssen. Jeder Sicherheitsapparat versucht so viel Informationen wie möglich zu bekommen. Deshalb müssen wir als Gesellschaft hier klare Grenzen setzen und Gesetze schaffen, die festlegen, was auf diesem Gebiet erlaubt ist und was nicht. Unser Umgang mit diesem Thema wird darüber entscheiden, wie unsere Demokratie in Zukunft aussehen wird.

Leiden Sie selbst manchmal unter digitalem Verfolgungswahn?

Damon: Ich bin genauso von meinem Smartphone abhängig wie alle anderen. Aber ich bin nicht in sozialen Medien unterwegs und schreibe stinklangweilige E-Mails. In der "New York Times" war vor Kurzem ein verstörender Artikel: Eine ältere Dame stimmte zu, dass man sich für die Recherche zu dem Artikel in ihren Computer und Smartphone einhackte. Es war unglaublich, was die Hacker alles über das Leben dieser Frau herausfinden und kontrollieren konnten. Aber das Verstörendste war, dass sie feststellten, dass überall, wo sie sich einhackten, vor ihnen schon jemand gewesen ist. Und das war nur eine harmlose Dame aus Oregon.

Im Film gibt es die Figur eines Hackers, der Wikileaks-Gründer Julian Assange sehr ähnelt, aber von Jason Bourne mit großem Misstrauen behandelt wird . . .

Damon: Bourne ist allen institutionalisierten Mächten gegenüber skeptisch. Ob Regierung, Konzerne oder politische Organisationen, die sich als deren Gegner begreifen. Menschen, die zu viel Macht ansammeln, vertraut er prinzipiell nicht.

Ist eine Fortsetzung geplant?

Damon: Regisseur Peter Greengrass hat erst einmal zwei andere Projekte in der Pipeline. Danach müssen wir sehen, ob Jason Bourne uns vor Donald Trump retten muss.

Halten Sie es für möglich, dass Trump Präsident wird?

Damon: Nach dem Brexit-Votum in Großbritannien, das mich sehr schockiert hat, ist der Aufstieg Donald Trumps zum Präsidenten ein durchaus realistisches Szenario. Die Emotionen und die Wut der Menschen sind in Großbritannien dieselben wie in Amerika. Die äußerste Rechte gewinnt überall immer mehr an Boden. Der Rückzug in den Nativismus, die Vorstellung eine Mauer gegen das vermeintlich Fremde zu errichten - diese Mentalität macht sich leider immer mehr breit.