| 23:52 Uhr

Musische Bildung
Lehrermangel: Musikunterricht an Schulen in Gefahr?

Hannover. Der Bundesverband Musikunterricht hat vor einer weiteren Abwertung des Schulfachs Musik gewarnt. Viele Schulen hätten nur einen Musiklehrer – wenn der krank sei, falle der Unterricht aus, sagte Verbandspräsident Ortwin Nimczik.

Zunehmend werde Musik von Seitensteigern oder Päda­gogen unterrichtet, die das Fach gar nicht studiert haben, kritisierte er. Da Fachlehrer fehlen, plädierte der Professor der Hochschule für Musik in Detmold für die Weiterbildung von musikaffinen Lehrerinnen und Lehrern, gerade an Grundschulen, wo der Mangel besonders groß ist. Dafür müssten die Länder auch Geld ausgeben, forderte Nimczik.


Von morgen bis Sonntag kommen über 1500 Musikpädagogen aus ganz Deutschland zum 4. Bundeskongress Musikunterricht in Hannover zusammen. Bundesweit gibt es rund 40 000 Musiklehrer für rund 8,3 Millionen Schülerinnen und Schüler. Das Schüler-Lehrer-Verhältnis werde angesichts einer Pensionierungswelle und steigender Schülerzahlen in den nächsten Jahren nicht besser, befürchtet der Verbandschef. Zudem gebe es – auch wegen der Unterrichtsausfälle – weniger Jugendliche, die Musik in der Oberstufe als Schwerpunkt wählten und anschließend studierten.

Nimczik plädiert für eine größere Wertschätzung für das Schulfach Musik und für Musiklehrer. „Die künstlerischen Ausbildungen an den Musikhochschulen boomen“, berichtete der Hochschullehrer. Viele Studierende entscheiden sich für ein Instrument, obwohl sie wissen, dass sie kaum Chancen auf eine feste Anstellung als Orchestermusiker haben. Der Sektor der Musiklehrer dagegen stehe vor ähnlichen Problemen wie das Handwerk – trotz hervorragender Auftragslage fehle der Nachwuchs, sagte Nimczik. „Dagegen gehen wir an.“ Die musikalische Bildung dürfe nicht zur Privatsache werden.



Singen, bewegen, tanzen – Musik in der Schule habe viele Facetten, betonte der Verbandschef. Es gehe um Kommunikation und Kreativität. „Musik kann nicht die Welt verändern, aber ihr Verständnis fördert Vorurteilsfreiheit und Offenheit.“