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| 20:44 Uhr

Saarbrücker Ophüls-Festival
Mittellanger Wettbewerb: Zukunft, Endzeit, Lebenszeit

Saarbrücken. Drei Empfehlungen aus dem mittellangen Wettbewerb; „Fremde“, „Iox“ und „Dieter not unhappy“. Von Tobias Kessler
Tobias Kessler

Von Brutalität und Menschlichkeit erzählen Regisseur Tim Dünschede und Autor Marc Vogel in „Fremde“ – aber auch vom Aufbruchwillen einer jungen Tochter, von erstem Begehren und einer Abnabelung vom Vater. So gesehen, trifft das bei Ophüls immer beliebte „Coming of age“-Thema auf wortkarges, dicht gewobenes, gut gemachtes  Spannungskino. Eine Kleinfamilie schlägt sich nach dem Zusammenbruch der Zivilisation im Wald alleine durch – bis ein Fremder die Notgemeinschaft aus der Balance bringt. Die Atmosphäre ist drückend und angespannt, man begegnet einer marodierenden Bande wie in „Mad Max II“, und der 30-minütige Film montiert das blutige Versorgen einer Wunde parallel zum noch blutigeren Zerschneiden eines Wolfskadavers (aber es kam beim Dreh kein Tier zu Schaden, versichert uns der Abspann) – es ist eine harsche Welt, in der die junge Marie nach einem erwachsenen Leben sucht. Ein sehr gelungener Film, in dem man wieder Emma Bading begegnet, die auch im Wettbewerbsfilm „1000 Arten Regen zu beschreiben“ so famos ist wie hier.

„Iox“ führt mit einem actionreichen Einstieg flott in das Deutschland der Zukunft: Künstliche Menschen verrichten für die realen Menschen die niederen Arbeiten. Für die willigen Nutzer sind sie Sklaven, für die Aktivisten des „Free Droid Movement“ aber unterdrückte Menschen zweiter Klasse. Ihr Motto: „Wir haben ein Herz für Maschinen.“ Das hat der junge Ika nun nicht, und doch ist er in einer Nacht auf die junge Frau Iox angewiesen – eine Maschine. Gwendolin Stolz‘ Abschlussfilm an der Hochschule für Fernsehen und Film München (Buch: Stolz, Bernd Blaschke, Laura Schäfer) ist ambitioniert, bietet bei wohl schmalem Budget eine Verfolgungsjagd, schwebende Drohnen und findet atmosphärische Schauplätze in der Münchner Kanalisation. Aber die Schlusspointe wirkt ein wenig überflüssig. „Fremde“ und „Iox“ laufen heute: 17.30 Uhr, Kino Achteinhalb; Fr: 19.45, CS 4; Sa: 18 Uhr, Camera Zwo.

Die Lebensmitte hat er überschritten, aber er hat einen Beruf, der ihm immer noch Freude bereitet, wenn auch vielleicht nicht so viel wie frühe  – es könnte schlechter laufen bei Verleger/Drucker Dieter, so passt der Titel „Dieter not unhappy“ auch sehr gut. In einem Interview über den Kulturbetrieb geriert er sich pompös, doziert à la „Bücher machen Spaß“. Aber er wirkt ein wenig aus der Zeit gefallen; der neue, junge Assistent führt ihm das eigene Alter vor Augen, und als ihn in einer Galerie in Paris ein neuer Kellner nicht kennt, nimmt er es übel. „Wo ist denn Jacqueline?“ Und die Schmeicheleien von Künstlern befriedigen ihn auch nicht mehr so recht. Christian Schäfer (Regie) und Glenn Büsing (Drehbuch) zeigen einen letztlich einsamen Handlungsreisenden mit Rollkoffer in Sachen Kultur, dem es am besten geht, wenn er nicht über sein Leben nachdenkt. Dazu zwingt ihn aber eine befreundete Fotografin (Leslie Malton), die ihm regelmäßig ins Gewissen redet – das allerdings in Szenen, die etwas überdeutlich und didaktisch wirken. Dieters Malaise hätte man auch so verstanden. Gut aber, dass der Film ihn nicht am Ende zur Umkehr führt, Christoph M. Ohrt spielt ihn gereizt bis zuletzt, Dieter wird weiter „not unhappy“ bleiben – mehr ist für ihn wohl nicht mehr drin.