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| 21:12 Uhr

Bildende Kunst
Malerische Befreiungsakte

Münters „Vom Griesbräu-Fenster“ von 1908, ein Wendepunkt in ihrem Schaffen.
Münters „Vom Griesbräu-Fenster“ von 1908, ein Wendepunkt in ihrem Schaffen. FOTO: Foto: Lenbachhaus © VG Bild-Kunst, Bonn 2017
München/Murnau. Das Münchner Lenbachhaus zeigt das Werk von Gabriele Münter, die Teil des „Blauen Reiter“ war, sich aber nicht darin erschöpfte. Von Veit-Mario Thiede

Gabriele Münter, 1877 in Berlin geboren, in Herford aufgewachsen und 1962 in Murnau gestorben, ist so etwas wie die stiefmütterlich behandelte Hausheilige des Münchner Lenbachhauses. Der Künstergruppe „Der blaue Reiter“ angehörend, war sie bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs Wassily Kandinskys Lebensgefährtin. Er und Franz Marc initiierten als „Redaktion des Blauen Reiter“ 1911 und 1912 einen berühmten Almanach und zwei legendäre Ausstellungen. Münter besaß zahlreiche Werke Kandinskys. Diesen Schatz sowie Bilder weiterer Akteure des „Blauen Reiters“ schenkte sie 1957 dem Lenbachhaus – und erhob es damit zum Museum von Weltrang. Nach Münters Tod zog die von ihr und ihrem zweiten Lebenspartner Johannes Eichner begründete Stiftung mit dorthin. Sie betreut Münters Nachlass sowie ihr als Künstlergedenkstätte inszeniertes Haus in Murnau.

Trotz dieses reichen Fundus wird Gabriele Münter normalerweise nicht oft im Lenbachhaus gezeigt – bis auf einige ihrer Werke im Rahmen der dem Blauen Reiter gewidmeten Dauerausstellung. Was sie nach dieser Glanzzeit geschaffen hat, ruht üblicherweise im Depot. Deshalb kann sich die nun 132 Gemälde aus 50 Schaffensjahren bündelnde Sonderschau rühmen, nie oder seit Jahrzehnten nicht mehr gezeigte Werke Münters zu präsentieren – darunter internationale Leihgaben.

Münters Schaffen wird nach Bild­themen geordnet vorgestellt. Eine Ausnahme in ihrem ansonsten der Wirklichkeit verhafteten Werk sind ihre ungegenständlichen Gemälde aus den 50ern. Aus der Porträtauswahl wiederum sticht das „Bildnis Marianne von Werefkin“ (1909) hervor: Sie steht vor der gelben Fassade des Münter-Hauses und wendet uns den Kopf zu. Zur Entstehungszeit des Bildnisses hatte Münter das Haus als Sommersitz für sich und Kandinsky erworben. Im Jahr zuvor hielt sie sich erstmals in Murnau auf, um dort mit Kandinsky, Werefkin und deren Lebensgefährten Alexej von Jawlensky zu malen. Sie logierten im Gasthof Griesbräu. Davon zeugt das Gemälde „Ansicht vom Griesbräu-Fenster“ (1908). Es bietet formvereinfachte Dachschrägen und Giebel in bunten Farben sowie einen Ausblick auf die Landschaft, deren Wiesen und Berge zu grünen und blauen Flächen abstrahiert sind. Das Bild erweist sich als Durchbruch zu Münters charakteristischer Malerei: „Da schien es plötzlich – ich stand im Griesbräu am Fenster u. war deprimiert – als wenn ,ein Knopf aufginge’ zu einer Befreiung. Von da an ging ich auf Landschaft, die Augen waren aufgegangen – ich sah u. malte.“

Die Kuratoren Isabelle Jansen und Matthias Mühling wollen die Eigenständigkeit von Münters Schaffens sichtbar machen. Deutlich wird dies in zwei Spezialgattungen Münters: Einzigartig sind ihre „religiösen“ Stillleben, für die sie Hinterglasbilder mit Heiligendarstellungen und frommen Schnitzfiguren aus ihrer Volkskunstsammlung zu Arrangements fügte, denen eine ganz eigene Aura innewohnt. Die zweite Spezialität Münters waren „Genreporträts“ im Freien oder in häuslicher Umgebung. Beim Betrachten ihrer „Kahnfahrt“ (1910) hat man etwa den Eindruck, gleichsam mit im Boot zu sitzen — direkt hinter der rudernden Münter.

Ihre damalige Essecke kann man im Murnauer Münter-Haus besichtigen. Es hat auf Wunsch der Künstlerin wieder das ursprüngliche Erscheinungsbild. Im ehemaligen Musikzimmer läuft als Außenposten der Münchener Ausstellung eine kleine Sonderschau. Sie belegt, dass Volkskunst, Kinderbilder und gelegentlich auch Zeugnisse außereuropäischer Kulturen Münter wichtige Impulse gaben.

Bis 8. April. Di: 10-20 Uhr, Mi-So und feiertags: 10-18 Uhr.

Münters „Sinnende II“ von 1928.
Münters „Sinnende II“ von 1928. FOTO: Foto: Lenbachhaus © VG Bild-Kunst, Bonn 2017