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Mettlacher Kammermusiktage
Makellosigkeit im Refektorium

Mettach. Mettlacher Kammermusiktage: Das Busch-Trio vereinte gestern Brillanz mit kraftvoller Artikulation. Von Helmut Fackler

Regelmäßig präsentieren die „Kammermusiktage Mettlach“ internationale Spitzenkünstler der jungen Generation. Für saarländische Kammermusikfreunde ein echter Gewinn über den Sommer, ein musikalisches Mekka. So auch gestern mit dem britischen „Busch-Trio“, das mit viel gespielten Standardwerken der Klaviertrio-Literatur eigene Akzente setzte. Bei den Dreien stimmte wirklich alles: die Intonation, das Zusammenspiel, die Klangbalance und die musikantische Gemeinsamkeit und Empathie. Geiger Mathieu van Bellen überzeugte mit runder Tongebung durch alle Register, ohne Einschränkung der Brillanz und mit kraftvoller Artikulation.


Selten wurde ein so samtiges und doch intensives Violoncello in Mettlach gehört, wie Ori Epstein es spielte: vornehm, elegant. Virtuos Omri Epstein am Klavier, der selbstbewusst dynamisch bis an die kammermusikalischen Grenzen ging. Der mit starker linker Hand die Harmonien auf den Bässen aufbaute und hinlangte, wenn es galt. Ein wunderbares Geben und Nehmen mit den Partnern an den Streichinstrumenten. Gut für Beethovens Trio op.11, dem „Gassenhauer“-Trio, dessen überschäumende Phantasie im namensgebenden Variationen-Satz mit allerlei agogischen Raffinessen gespickt wurde. Mit weit ausholendem Gestus und leidenschaftlicher Spannung gelang auch Dvoráks Trio op. 21, mit viel slawischem Tonfall intensiv und glutvoll gestaltet. Vital und kraftvoll, ja orchestral geriet das Opus 8 von Brahms, in der von Streichern nicht gerade geliebten Tonart H-Dur. Doch war da keine Spur von Irritation.

Trotz der 30 Grad im Refektorium der Alten Abtei und sicherlich durchgeschwitzter Kleidung und feuchten Händen entstand eine schier makellose und vitale Interpretation dieses tiefgründigen, in weiten Teilen elegisch-besinnlichen Werkes mit seinem Moll-Ende im lebhaften Dreivierteltakt. Begeisterter Applaus für diese Spitzenleistung machte eine Zugabe unausweichlich: unaufgeregt-sanfte Romantik für den Nachhauseweg.