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Musikfestspiele Saar
Limburger Domsingknaben bei den Musikfestspielen

Saarbrücken . Bernhard Leonardy, Musikfestspiel-Chef und Basilika-Kantor, hatte am Allerseelentag die Limburger Domsingknaben in der Barockkirche zu Gast. Gut 50 Jahre gibt es diesen Chor, der die geistliche Musik am Limburger Dom pflegt. Von Helmut Fackler

Für Mehrstimmigkeit bedarf es auch Tenor- und Bassstimmen junger Männer, die trotz Stimmbildung nicht das Timbre gereifter Stimmen haben können. So fehlte etwas das Fundament für die hellen, klaren Sopran- und Altstimmen, die mit der weiß-goldenen Innenarchitektur des Gotteshauses korrespondierten.


Ein Schwerpunkt war Heinrich Schütz, mehrstimmige Chöre und zweistimmige Knaben-Sologesänge mit dem Basso continuo eines Orgelpositives. Giovanni Pierluigi da Palestrina kam mit schwieriger Polyphonie zu Wort, bevor es romantisch und modern wurde. „Ubi caritas“ von Maurice Durufflé kontrastierte mit Anton  Bruckners „Os justi“ und seinem „Ave Maria“; danach vom Norweger Ola Gjeilo ein dicht gewobenes „Tota pulchra, Maria“. Für ein ausgiebiges Intermedium griff  Leo­nardy in die Orgeltasten, um mit einer farbenreichen  Improvisation über das gregorianische „Ubi caritas“ Plenum-Rausch und Glockenspiel-Klang gegen die vorangegangenen strengen Chorsätze zu setzen.

Eine Choralschola leitete über zu romantischem Sentiment:  Mendelssohn-Bartholdys „Richte mich Gott“ und Josef Rheinbergers  „Abendlied“. Rhythmisch-Lockeres zeigte der Chor abschließend mit „Cantate Domino“ des Letten Vytautas Miskinis, das besonders gut gelang. „Standing ovations“ für die Sänger und das vitale Dirigat des Chorleiters  Andreas Bollendorf. Und für den Nachhauseweg eine herz-erwärmende Zugabe: Matthias Claudius’ „Der  Mond ist aufgegangen“. Berührend.