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„Leben und Sterben in L.A.“ als Blu-ray
Finster ist sie, die Stadt der Engel

Williams Petersen als Ermittler Richard Chance. Petersen wurde erst in den 90er Jahren zum Star – in der Fernsehserie „CSI“.
Williams Petersen als Ermittler Richard Chance. Petersen wurde erst in den 90er Jahren zum Star – in der Fernsehserie „CSI“. FOTO: Capelight
Saarbrücken. „Leben und Sterben in L.A.“, einer der düstersten Krimis der 80er Jahre, erscheint in einer mustergültigen Heimkino-Edition. Von Tobias Kessler
Tobias Kessler

Die Sonne mag herunterbrennen auf den Asphalt, der Himmel mag in glühendem Orange leuchten – aber Los Angeles, als Stadt eine der Haupfiguren dieses Films, ist ein Ort der Finsternis. Regisseur William Friedkin und sein famoser Kameramann, der kürzlich verstorbene Niederländer Robby Müller, geben uns keine Zeichen der Orientierung – die üblichen Skyline-Bilder oder touristisch Bekanntes umgeht der Film, er führt uns in Randgebiete, Hinterhöfe, abgewrackte Clubs, schäbige Mietshäuser.


„Leben und Sterben in L.A.“ heißt der Film, der 1985 im Kino erst einmal nur mäßige Beachtung fand, aber über die Jahre sein Publikum gefunden hat und heute den Ruf genießt, einer der herausragenden US-Filme der 1980er Jahre zu sein. Im Groben (und damit trügerisch) folgt der Film den Mustern des Actionkrimis: Ein Polizist verliert seinen Partner (wenige Tage vor dessen Pensionierung, wie so oft in Krimis), schwört Rache und geht dabei – mit einem anfangs skeptisch beäugten neuen Partner – buchstäblich über Leichen. Das klingt nun exakt wie der Stoff, aus dem zahllose B-Filme sind. Aber Friedkin („Cruising“, „Der Exorzist“) bürstet den Stoff immer wieder gegen den Strich und unterläuft übliche Erwartungen – etwa die, dass die Hauptfigur zur Identifikation einlädt. Der Ermittler Richard Chance, mit hochnervöser Energie gespielt von William Petersen,  ist ein harter Hund in schmerzhaft eng aussehender Jeans, ein impulsiver Kraftmensch mit Tunnelblick  und keinerlei Skrupeln, seine Macht, etwa gegenüber einer Informantin, auszunutzen. Sein Gegenspieler ist ein hochbegabter Geldfälscher (Willem Dafoe) mit Feingeist-Attitüde und keinen Hemmungen, was Gewalt angeht. Allzu unähnlich sind sich Polizist und Gangster nicht, es kommt aber nicht zu einer gewissen Geistesverwandtschaft der beiden, wie etwa im Film „Heat“ mit Robert  DeNiro und Al Pacino, der ja auch das Gangstertum ein wenig romantisiert.

Davon könnte Friedkin hier nicht weiter entfernt sein, der mit finsterem Blick auf seine Figuren schaut. Wie um das fürs Publikum verdaulicher zu machen, bietet er eine Auto-Verfolgungsjagd auf, die sogar sein Glanzstück aus „French Connection“ überholt – und schließt dann mit einem unerwarteten, ziemlich bösen Ende. Kein Wunder, dass das ganz große Publikum da seine Schwierigkeiten hatte. Umso besser, dass der Film sich nun erstmals auf Blu-ray in einer mustergültigen Heimkino-Edi­tion entdecken oder wiederentdecken lässt. Im Bonus-Material (darunter ein guter Text zum Film von Stefan Jung, Interviews mit den Künstlern, Audiokommentar) findet sich ein besonders bizarres Kuriosum: ein alternatives, nie verwendetes Ende, das dem Film und seiner Haltung so entgegensteht, dass es schon eine enorme Komik hat – als habe sich Regisseur Friedkin darüber lustig machen wollen, was gemeinhin von einem kommerziellen Film erwartet wird.



Erscheint morgen bei Capelight.   

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kul-friedkin2 FOTO: Capelight