| 20:21 Uhr

„Nur Mittelmaß“
Kurzfilmtage-Chef kritisiert deutsche Filmförderung

Frankfurt. Der Leiter der renommierten Oberhausener Kurzfilmtage, Lars Henrik Gass, hat die Filmförderung in Deutschland scharf kritisiert. Die gegenwärtige Förderpraxis erziele weder herausragende wirtschaftliche noch herausragende künstlerische Erfolge. „Ganz offenbar führt das System im Ergebnis nur zum Mittelmaß“, sagte Gass am Freitag bei einem Kongress in Frankfurt. Mit der aktuellen Filmförderung werde „Wirtschaft ohne Erfolgsaussicht erkennbar auf Kosten der Kultur betrieben“, sagte er.

Der Leiter der renommierten Oberhausener Kurzfilmtage, Lars Henrik Gass, hat die Filmförderung in Deutschland scharf kritisiert. Die gegenwärtige Förderpraxis erziele weder herausragende wirtschaftliche noch herausragende künstlerische Erfolge. „Ganz offenbar führt das System im Ergebnis nur zum Mittelmaß“, sagte Gass am Freitag bei einem Kongress in Frankfurt. Mit der aktuellen Filmförderung werde „Wirtschaft ohne Erfolgsaussicht erkennbar auf Kosten der Kultur betrieben“, sagte er.


Gass machte einen Konstruktionsfehler der Filmförderung für die aus seiner Sicht unzureichenden Ergebnisse verantwortlich. Um europarechtliche Vorgaben zu erfüllen, müsse die Filmförderung auch kulturelle Zwecke erfüllen. Gleichzeitig habe das Filmfördergesetz aber vorrangig wirtschaftliche Ziele zu verfolgen, um in Deutschland verfassungskonform zu sein, heißt es in dem gemeinsam mit dem Anwalt für Urheber- und Medienrecht, Jascha Alleyne, erarbeiteten Vortrag. Deshalb diene die Kultur nur als Verkleidung für eine am Massengeschmack ausgerichtete Förderung.

Gass forderte einen „Systemwandel“. Insbesondere der inhaltliche Einfluss der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten auf die Filmproduktion müsse zurückgedrängt werden. Die „mutlose Programmgestaltung der Sender“ dürfe dem Film nicht länger „Form und Inhalte diktieren“. Außerdem sei sicherzustellen, dass wirtschaftlich erfolgreiche Filme „tatsächlich die erhaltene Förderung auch wieder zurückerstatten“.

Für die nationale Filmförderung ist in Deutschland die Filmförderungsanstalt (FAA) zuständig. Ihr Budget finanziert sich über die sogenannte Filmabgabe, die unter anderem von den Kinos, der Videowirtschaft und dem Fernsehen erhoben wird.