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Komikerinnen auf Geisterjagd

Melissa McCarthy (vorne) und Kristen Wiig (Dritte v. l.) im Einsatz gegen Geister.
Melissa McCarthy (vorne) und Kristen Wiig (Dritte v. l.) im Einsatz gegen Geister. FOTO: Sony Pictures
Unterm New Yorker Asphalt blubbert es wieder: Ektoplasma, igitt. Paul Feigs Remake des Klassikers „Ghostbusters“ von 1984 mit Bill Murray und Dan Aykroyd als Geisterjäger schickt nun ein Frauenquartett in den Kampf gegen die übernatürlichen Erscheinungen. SZ-Mitarbeiter Dieter Oßwald sprach mit zwei der neuen „Ghostbusters“: Melissa McCarthy („Gilmore Girls“, „Mike & Molly“) und Kristen Wiig („Brautalarm“, „Der Marsianer“), bekannt aus der kultigen US-Comedy-Show „Saturday Night Live“. tcs

Misses Wiig, sind Frauen die besseren Helden?


Wiig: Im Vergleich zu Fischen?

McCarthy: Oder Kühen? (lacht)



Wiig: Ich glaube solche Vergleiche, wer besser oder schlechter ist, bringen nicht viel.

McCarthy: Es kommt vor allem auf die Vielfalt an. Ich finde es großartig, wenn im Kino Kinder, Roboter, Frauen oder Männer zu Helden werden können. Nichts ist langweiliger, als ständige Wiederholungen.

In den sozialen Netzwerken brach eine wahre Welle von Häme los, als bekannt wurde, dass die "Ghostbusters" weiblich werden. Wie erklären Sie sich das?

McCarthy: Ich fand diese Reaktionen verwirrend und traurig. Allerdings sollte man sich immer im Klaren darüber sein, dass solche Kommentare von einer ganz kleinen Gruppe von Leuten stammen. Die mögen sehr laut sein, aber ihre Anzahl ist gering. Zudem verbreiten sich diese Dinge sehr schnell… Wiig: Das Internet bietet eben eine Plattform für die unterschiedlichsten Ansichten. Für gute Nachrichten im Netz interessiert sich niemand. Schockierende oder hasserfüllte Kommentare bekommen hingegen von überall Beachtung.

Wie groß war der Erwartungsdruck bei diesem Projekt?

Wiig: Erwartungen gibt es immer, aber einen Druck haben wir beim Drehen überhaupt nicht verspürt. Was daran liegt, dass viele "Ghostbusters"-Veteranen an diesem Projekt beteiligt waren, von Ivan Reitmann bis zu einigen Schauspielern. Wenngleich die Story und die Figuren dieses Mal andere sind, hat sich der Film nie wie eine völlig neue Version angefühlt. "Ghostbusters" wird vom Publikum geliebt - und wir haben ihn mit Liebe gemacht.

Sie sind beide als Comedians bekannt, konnten Sie eigene Pointen unterbringen?

McCarthy: Das Drehbuch war bereits sehr witzig geschrieben. Wobei unser Regisseur Paul Feig immer sehr entspannt an die Sache ging. Nachdem wir eine Szene wie im Skript abgedreht hatten, sagte er oft: "Super, das haben wir im Kasten. Aber ihr könnt das gerne nochmals in einer anderen Variante probieren". Er hat uns immer zu eigenen Vorschlägen ermuntert, letztlich waren das nur kleine Details. Wir haben ein Wort oder einen Satz hinzugefügt, aber wir haben nicht das Drehbuch neu geschrieben.

Wie groß war die Konkurrenz um die besten Pointen?

Wiig: Die gab es nicht. Das würde keinen sehr witzigen Film ergeben.

McCarthy: Eine Konkurrenz um Pointen wäre nicht witzig. Die Zuschauer würden das sofort spüren. Man könnte einen Drehtag gar nicht bewältigen, würde man ständig darauf bedacht sein, seinen Partner zu übertrumpfen. Man muss komische Szenen gemeinsam entwickeln. Das macht mehr Spaß und ist viel produktiver.

Vermissen Sie die Zeiten von "Saturday Night Live"?

Wiig: Ich vermisse "SNL" sehr. Es fällt mir deswegen auch gar nicht so leicht, die Show im Fernsehen anzuschauen.

Ist Donald Trump ein Geschenk für Comedians in den USA?

Wiig: Ich würde die Begriffe "Trump" und "Geschenk" nie gemeinsam in einem Satz nennen.

McCarthy: Trump ist für niemanden ein Geschenk! (lacht)

Es gibt immer wieder die Diskussion darüber, weshalb Frauen im Filmgeschäft so schwach vertreten sind. Was wäre Ihre Erklärung für den auffallenden Mangel an Regisseurinnen?

McCarthy: Das betrifft ja keineswegs nur die Filmbranche, sehen Sie sich einfach einmal die Vorstände der 500 größten Unternehmen an. Es gibt leider eine Geschichte der Unterdrückung von Frauen. In vielen Ländern dürfen Mädchen nicht einmal zur Schule gehen. Es ist eine Epidemie, die in vielen Ländern der Welt zum Normalfall geworden scheint. Im Vergleich dazu, ist Hollywood das kleinste unserer Probleme!

Wie war Ihre Begegnung mit Bill Murray?

Wiig: Er musste sich ständig unsere Anekdoten anhören und wir haben ihm erklärt, wie das Geschäft funktioniert! (lacht)

McCarthy: Ich habe bereits einen Film mit Bill gedreht und für mich gehört er zu den absolut faszinierenden Typen. Er ist total bodenständig und weiß, was wichtig ist im Leben. Ich habe großen Respekt vor Bill. . .

Erinnern Sie sich noch daran, wie Sie den ersten "Ghostbusters" gesehen haben?

McCarthy: Ich erinnere mich noch gut daran, dass mir diese Typen gefallen haben, weil sie nicht nur schräg waren, sondern zudem ziemlich cool. Sie haben überhaupt nicht in das Schema der klassischen Helden gepasst, dennoch waren sie sehr heldenhaft. Ich fand es sehr komisch, dass diese vier normalen Typen die Welt retten mussten - und dieses Konzept haben wir bei unserem Film aufgegriffen.

Läuft in allen großen Kinos der Region. Kritik morgen im treff.region

Zum Thema:

AUF EINEN BLICK Außer "Ghostbusters" gibt es diese Woche sieben weitere Neustarts. Im Filmhaus Saarbrücken wird der erste Teil der Trilogie "1001 Nacht" gezeigt, ein Film von Miguel Gomes, der fiktive Geschichten über die Wirtschaftskrise in Portugal erzählt. Mit " La Isla Mínima - Mörderland " von Alberto Rodriguez startet zudem ein spannender spanischer Polizei-Thriller. Neu ist auch Mika Kaurismäkis Kostümfilm "The Girl King". Das Kino Camera Zwo (Sb) zeigt zwei neue Filme: "Maggies Plan" von Rebecca Miller ist eine charmante Romantikkomödie aus den USA, "Julieta" von Pedro Almodóvar ein virtuoses, buntes Werk zum Thema große Liebe, Lust und Emotionen. Ebenfalls neu: der subtile Horrorfilm "Lights Out" von David F. Sandberg und der handlungsarme Actionkracher "Collide" von Eran Creevy. tcs