| 20:09 Uhr

Musikfestspiele Saar
Klassik-Experiment eines Ex-Beatle

Bernhard Leonardy (l.) leitet die Chöre, Solisten und Orchester. ⇥Foto: Astrid Karger
Bernhard Leonardy (l.) leitet die Chöre, Solisten und Orchester. ⇥Foto: Astrid Karger FOTO: Astrid Karger
St. Ingbert. Gelungene saarländische Uraufführung von Paul McCartneys „Liverpool Oratorio“ in St. Ingbert Von Astrid Karger

Wer vom Ex-Beatle Paul McCartney bestenfalls Musical-Taugliches oder Popmelodien erwartet, wird überrascht, 90 packende Minuten entfaltet sich eigenständiges musikalisches Erzählen. Als Sonderkonzert im Rahmen der Musikfestspiele Saar gab es am Sonntag in St.Ingbert das „Liverpool Oratorio“ zu hören, ein großes sinfonisches Werk für fünf Chöre und Orchester von Paul McCartney und Carl Davis. Die „Industriekathedrale“ Alte Schmelz bot den perfekten Rahmen für die saarländische Uraufführung mit Mitgliedern aus den Chören Vokalensemble 83, Basilika St. Johann Saarbrücken, Basilika St. Wendel, Dekanatschor „Intermezzo“ Wadgassen und dem Kinderchor Überherrn-Altforweiler.



Bernhard Leonardy oblag es, die beeindruckend vielen Menschen auf der Bühne und die Philharmonie St. Petersburg zu einem gelungenen großen Ganzen zusammen zu bringen. Solisten führten durch die lokalpatriotische Geschichte des „Oratorio“ vom Erwachsenwerden. Tenor Manuel Horras sang den jungen Shanty feierlich fest. Den gnadenlos durchgetakteten Arbeitsalltag in Mary Dees Büro machten die Sinfoniker mit mechanisch gleichförmigem Violinenklang deutlich. McCartney verglich sein Arbeiten einmal mit dem eines Höhlenmalers, primitiv, unakademisch. Mit dem klassisch ausgebildeten Carl Davis konnte er jedes Wort des „Oratorio“ als notierte Musiksprache aufs Papier bringen. Bringt Lehrerin Miss Inkley (Almut Panfilenko) ihren Schülern im Spanischuntericht ein albernes Lied von Kaninchen und Bäumen bei, erklingen beschwingt parodierte „Carmen“-Klänge, mit einer Art studentischem Trinklied überredete Stefan Röttig als Mr Dingle den werdenden Vater Shanty zu einer Kneipentour. Dramatisch bis disharmonisch beschwören die Sinfoniker die Krise herauf. Souverän, immer vom Text motiviert, bleibt die Komposition bis zum Schluss. Standing Ovations in der vollbesetzten Halle.

Im Rahmen der Musikfestspiele findet heute (20 Uhr) ein Klavierabend mit Grigori Sokolov in der Congresshalle statt. Karten: Tel. (02 31) 917 22 90.