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CD und Konzert
Kinder, wie die Zeit vergeht – „Nicole Jo“ wird 20

Die Vier von „Nicole Jo“: Schlagzeuger Elmar Federkeil, Nicole Johänntgen, Keyboarder Stefan Johänntgen und Bassist Philipp Rehm.
Die Vier von „Nicole Jo“: Schlagzeuger Elmar Federkeil, Nicole Johänntgen, Keyboarder Stefan Johänntgen und Bassist Philipp Rehm. FOTO: Wolfgang Glauke
Neunkirchen. Die saarländische Jazzcombo  feiert ihren 20. Geburtstag mit einem neuen Album und mit einem Konzert in Neunkirchen. Von Stefan Uhrmacher

Kaum zu glauben! Fast 20 Jahre ist es her, dass die damals blutjunge Nicole Johänntgen ihre inzwischen älteste Band gründete: Anno 1998 hob die Jazzsaxofonistin aus dem saarländischen Fischbach, die heute von der Schweiz aus internationales Parkett bespielt, das Quartett „Nicole Jo“ aus der Taufe.



„20“ heißt nun kurz und knapp das in Eigenregie produzierte Jubiläumsalbum, insgesamt das siebte des Vierers, das mit entspanntem, poppigem Jazz gut den Zeitgeschmack trifft. Breitenkompatibel kommen denn auch die elf Titel aus eigener Feder daher: Nicole Johänntgen – sie verarbeitet unter anderem Eindrücke eines ausgedehnten New-York-Besuchs – lässt sich durchweg eingängige Themen einfallen und sorgt mit frischen, quirligen Saxofonsoli für optimistische Vibrationen. Druckvolle, gerade Beats und Grooves, hier und da mit ein paar witzigen Stops und Breaks gewürzt, von den Rhythmusmannen Elmar Federkeil (Schlagzeug) und Philipp Rehm (E-Bass) tun ein Übriges, dass Tanz- und Mitwipp-Laune keimt. Als i-Tüpfelchen zu einem wiedererkennbaren Sound mit Markenzeichencharakter taugen die E-Piano-Klänge von Nicoles Bruder Stefan Johänntgen (Keyboards), die zur Eröffnung mit unterkühltem Charme auf den instrumentalen Songreigen einstimmen: Der starke Opener „B-Day“ gibt den Ton vor.

Nach einem gleichfalls schönen Intermezzo in der Albummitte mit zwei Orgel-lastigen Titeln (die gospelige „Sunday Morning Ceremony“ geht runter wie Sahne!) greift der Tastenmann dann freilich immer häufiger auf austauschbare Synthesizer-Timbres zurück, vor allem wenn sphärische Stimmungen gefragt sind. Schade auch, dass Elmar Federkeil mit seiner raren Blue Point Steel Harp, einer Vertreterin der Steeldrum-Familie, nur bei einem Stück höchst originelle Farben in den Topf gießen darf – davon und vom E-Piano künftig bitte mehr!

Doch das sind Details: Unterm Strich überwiegen die positiven Eindrücke der schlank und klarsichtig instrumentierten Jubiläumsscheibe. Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn beim Live-Termin im heimatlichen Neunkirchen der Begeisterungsapplaus der zur Musik von Nicole Jo schwofenden Fusion-Funk- und Jazzpop-Fans nicht heftig hernieder prasseln würde.

CD-Veröffentlichungskonzert am Freitag, 20.30 Uhr, in der Stummschen Reithalle in Neunkirchen.
Karten und Infos: www.nk-halbzeit.de