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Kompositionswettbewerb
Karl Marx und seine „wilden Lieder“

Trier . An dem Trierer Kompositionswettbewerb als Hommage an Karl Marx und seine Versuche als Dichter haben sich 71 Künstlerinnen und Künstler aus der ganzen Welt beteiligt – aber niemand aus der Großregion. Von Martin Möller

Anfang des Jahres war er ausgeschrieben worden, der Kompositionwettbewerb als Hommage an Karl Marx. Angestoßen hatte ihn der „Verein zur Förderung des Jubiläumsprogramms des Karl-Marx-Jahres in Trier“, unterstützt mit 170 000 Euro der öffentlichen Hand – mangels Sponsoren-Interesses.


Ziel sei es, so sagte der künstlerische Leiter Stephan Meier, Marx künstlerisch zu aktualisieren. Seine poetischen Jugendsünden, die „Wilden Lieder“, sollten nicht Anlass werden zu nostalgischer Rückschau. Die Komponisten sollten Marx in der Gegenwart und auf Augenhöhe begegnen. Damit war klar: Aufwärmen veralteter Kompositions-Rezepte würde nicht zum Wettbewerbserfolg führen. Handwerkliche Sicherheit, Ideenreichtum und der Wille, wirklich Neues zu erfinden – das waren die wichtigsten Kriterien der sechsköpfigen Jury (Julian Andersen, Carola Bauckholt, Stefan Fricke, Franz Martin Olbrisch, Celeste Oram, Stephan Meier). Minder wichtig war, ob die Komposition den Marx-Text tatsächlich in den Mittelpunkt stellte oder nur zum Anlass nahm für die eigene Kreativität. 71 Personen weltweit haben sich beteiligt – niemand aus der Großregion.

Neun Künstler bei acht Projekten (siehe Infokasten) können sich nun über die mit insgesamt 16 250 Euro dotierte Auszeichnung freuen. Die Wohnorte der Preisträger verteilen sich über die ganze Welt: Amsterdam, Florenz, ­Canterbury, Cedarburg (USA), Berlin, Alessandria, Lyon, Horb (Neckar) und Achern. Die deutsche Präsenz unter den Preisträgern ist zwar gering, aber es gibt sie. Da erstaunt es schon eher, dass bei einer „großen Zahl chinesischer Bewerber“ (Meier) es niemand aus dem Reich der Mitte aufs Siegertreppchen geschafft hat.



In drei Konzerten sind demnächst die Uraufführungen der prämierten Werke zu hören. Sie finden statt am 1. September in der Promotionsaula Trier (20 Uhr, mit Werken von Fréderic Pattar und Sergej Newski sowie von vier Preisträgern) und im Stadtmuseum Simeonstift (22 Uhr, mit Werken der drei ausgezeichneten Klangkunst-Projekte) sowie am 2. September im Kurfürstlichen Palais Trier (11.30 Uhr, Konzert und Preisverleihung). Zudem stehen in den Konzerten die Aufführungen von sechs Auftragskompositionen an. Ein weiteres Konzert ist im britischen Birmingham geplant.

Seit vergangener Woche hängt im Kinosaal des Trierer Städtischen Museums eine Klanginstallation – „Pierrot Laborieux (work & The Work)“ von Celeste Oram. Kurz gefasst sind es verfremdende Zwei-Sekunden-Aufnahmen von Schönbergs „Pierrot lunaire“. Die werden über einen Algorhythmus zu einer Folge geordnet, die nicht chronologisch ist, sondern „selbstähnlich“ Der Effekt ist faszinierend: Schönbergs Musik löst sich auf in Klangfetzen. Die konkurrieren mit Umgebungsgeräuschen, ohne ganz ihre Erkennbarkeit aufzugeben. Ein Ergebnis, das die Klangwelt der Moderne, wie wir sie auf Straßen oder in Kaufhäusern erleben, eindringlich widerspiegelt.