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„Jerusalem am Rhein“: Mainz, Worms, Speyer auf Welterbe-Kurs

Mainz/Worms/Speyer. Mainz, Worms und Speyer galten im Mittelalter als Zentren jüdischer Gelehrsamkeit. Sie „streben die Anerkennung als Unesco-Welterbe an. Die Stadt Erfurt mit ihrer jüdischen Tradition verfolgt dieses Ziel auch. Diskutiert wird eine gemeinsame Bewerbung. Agentur

In Worms geben auf dem ältesten noch erhaltenen jüdischen Friedhof Europas die moosbewachsenen Monumente Zeugnis über etwa 2500 Tote, die hier liegen. Die ältesten Inschriften stammen aus dem 11. Jahrhundert. Die Steine erinnern aber auch an die jüdische Kultur, die sich am Rhein vor Jahrhunderten entwickelt hat und bis heute wirkt. Religiöse Bauten - etwa die alten Synagogen und Ritualbäder in Worms und Speyer - sowie gesicherte Spuren jüdischer Gelehrtheit in Mainz bezeugen diese kulturelle Blüte. Der Grund, weshalb die Kultusminister von Bund und Ländern die "Schum-Städte" Worms, Speyer und Mainz 2014 auf die deutsche Bewerbungsliste für das Weltkulturerbe der Unesco gesetzt hatten. Die Bezeichnung "Schum" setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der hebräischen Namen Schin (Sch) für Schpira (Speyer), Waw (U) für Warmaisa (Worms) und Mem (M) für Magenza (Mainz) zusammen.



Historikerin Susanne Urban, Geschäftsführerin des Vereins "Schum-Städte Speyer, Worms, Mainz", sieht gute Chancen für die Anerkennung als Weltkulturerbe. Schon im 10. Jahrhundert hätten bedeutende Religionsgelehrte hier gelebt. Stella Schindler-Siegreich, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Mainz, erinnert daran, dass die drei Städte als "Jerusalem am Rhein" galten. Bei der Unesco soll die Bewerbung 2020 eingereicht werden, die Entscheidung dürfte 2021 fallen.

Auch die Stätte "Alte Synagoge und Mikwe in Erfurt - Zeugnisse von Alltag, Religion und Stadtgeschichte zwischen Kontinuität und Wandel" steht auf der deutschen Vorschlagsliste für Welterbestätten. 2015 brachte Erfurts OB Andreas Bausewein (SPD) deshalb eine gemeinsame Bewerbung ins Spiel, da etwa die jüdischen Gemeinden in Mainz und Erfurt im Mittelalter enge Verbindungen gehabt haben. Erfurts Beauftragte für das Unesco-Welterbe Sarah Laubenstein erinnert daran, dass in Thüringens Kapitale die älteste bis zum Dach erhaltene Synagoge Mitteleuropas stehe.

Weil auch die Kultusministerkonferenz vorgeschlagen hatte, eine gemeinsame Bewerbung zu prüfen, soll noch in diesem Jahr endgültig darüber entschieden werden. Wer allerdings in den drei rheinland-pfälzischen Städten nachfragt, spürt Skepsis: "Es gibt viele Städte mit jüdischer Tradition. Das Wirken in den Schum-Städten setzte aber Maßstäbe in religiösen und rechtlichen Fragen", sagt etwa Volker Gallé, Kulturkoordinator in Worms. Auf dieses Alleinstellungsmerkmal wolle man sich konzentrieren.