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Jazz im KuBa
Rostwurst und Gummibäume: Erstes Jazz Open Air im KuBa

Saarbrücken. Der eine glaubt an den Deutschen Wetterdienst, der andere an Jörg Kachelmann. Das KuBa (Kulturzentrum am Eurobahnhof) traute niemandem, gab sich aber wild entschlossen: „Wir trotzen dem Wetter!“ hieß es auf Facebook. Von Kerstin Krämer

Als es am Donnerstag trocken blieb und sogar die Sonne hervor lugte, plumpste KuBa-Chefin Michaela Kilper-Beer ein Stein vom Herzen. „Sie können sich gar nicht vorstellen, wie erleichtert ich bin!“ stoßseufzte sie zur Begrüßung.


Denn abgesehen davon, dass Veranstaltungen unter freiem Himmel immer eine Zitterpartie sind: Hier ging es um das erste Jazz Open Air des KuBa überhaupt. Und das mit „Oliver Strauch & Friends“ illuster besetzte Extra in der Reihe „HörBar“ wurde ein Erfolg: Die zahlreichen Bänke und Stehtische hinterm KuBa waren gut bevölkert; vor der kleinen Bühne lümmelte man auf Sofas und Sesseln zwischen Gummibäumen. Dank Sektbar und Rostwurstgrill keimte launige Volksfestatmosphäre, die von der Musik (Hutsammlung) noch befeuert wurde.

Das neue Projekt des Saarbrücker Schlagzeugers Oliver Strauch gab sich nicht akademisch verkopft, sondern swingte so pulsierend und mit so viel Spielwitz, dass es jede Cocktail-Party zum Twisten gebracht hätte. Gleichzeitig kultivierten Strauch & Co eine erlesene Klangkultur und bewiesen sowohl bei eigenen Nummern wie Bearbeitungen von Standards ein fabelhaftes Gespür für dynamische Elastizität, stilistische Authentizität und laszive Spannung. Den Verzicht auf ein Melodieinstrument kompensiert die Combo mit einer Saxofon-Doppelspitze, bei der sich Olaf Schönborn (Alt) und Peter Lehel (Tenor) gegenseitig anstacheln: Eine so sensible wie offensive Interaktion, eine so delikate Phrasierung und Artikulation in Diensten des Ausdrucks erlebt man selten. Nicht minder nobel agierte Kontrabassist Johannes Schaedlich, der mit seinem Können jede Walking-Linie zum Groove-Erlebnis adelte und im Team mit Strauch sämtliche Rhythmuswechsel elegant meisterte. Da hielt man im wattierten Jäckchen selbst dann noch gerne aus, als es empfindlich kühl wurde. Auftakt gelungen – das Kuba peilt eine Fortsetzung des Jazz Open Air an.