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Ist das Kunst – oder kann das weg?

Sieht aus wie Baumaterial – und kann nach der Ausstellung in der Saarbrücker Stadtgalerie auch als solches verwendet werden. Russel Maltz schafft gewissermaßen auch Kunst auf Zeit.Foto: useo de los Pintores Oaxaquenos, Oaxaca, Mexiko
Sieht aus wie Baumaterial – und kann nach der Ausstellung in der Saarbrücker Stadtgalerie auch als solches verwendet werden. Russel Maltz schafft gewissermaßen auch Kunst auf Zeit.Foto: useo de los Pintores Oaxaquenos, Oaxaca, Mexiko FOTO: useo de los Pintores Oaxaquenos, Oaxaca, Mexiko
Saarbrücken. Ein Umbau in der Stadtgalerie? Im Innenhof stapelt sich Baumaterial. Merkwürdig nur, dass einige Rohre, Latten und Steine neongelb leuchten. Und drinnen geht es weiter. In einem der hinteren Räume ein ähnliches Bild, nur dass es hier grelles Pink ist. Ist das Kunst oder kann das weg? Beides sind Werke des US-Amerikaners Russell Maltz und tatsächlich können die nach Ausstellungsende weg. Der Abbau und die anschließende Verwertung als Baumaterial ist Teil des Konzeptes. Maltz sieht sich als Maler und seine Arbeiten als temporäre künstlerische Interventionen im (öffentlichen) Raum. Bülent Gündüz

Ein Umbau in der Stadtgalerie? Im Innenhof stapelt sich Baumaterial. Merkwürdig nur, dass einige Rohre, Latten und Steine neongelb leuchten. Und drinnen geht es weiter. In einem der hinteren Räume ein ähnliches Bild, nur dass es hier grelles Pink ist. Ist das Kunst oder kann das weg? Beides sind Werke des US-Amerikaners Russell Maltz und tatsächlich können die nach Ausstellungsende weg. Der Abbau und die anschließende Verwertung als Baumaterial ist Teil des Konzeptes. Maltz sieht sich als Maler und seine Arbeiten als temporäre künstlerische Interventionen im (öffentlichen) Raum.


Die sehenswerte Ausstellung "Russell Maltz: Painted - Stacked - Suspended" ist fast schon eine kleine Retrospektive, weil sie aktuelle Arbeiten zeigt, aber den Besucher auch mitnimmt zu den Anfängen und so deutlich macht, dass der Maler seine Wurzeln in der Konkreten Kunst hat. Das beweisen Arbeiten aus den 1980er-Jahren, in denen sich Maltz vor allem von Farbe und Material leiten ließ und viel mit Stapelungen und Schichtungen arbeitete. Doch zum Ende der Dekade wandte sich der Künstler vom Spiel mit dem Material ab und begann abstrahierende Elemente in seiner Arbeit einfließen zu lassen. Keine leicht zugängliche Kunst. Man muss sich dafür Zeit nehmen und ganz darauf einlassen. Stadtgalerie-Leiterin Andrea Jahn hatte keine leichte Aufgabe, hat es aber verstanden, diesen spröden Kunstansatz zu vermitteln.

Etwas leichter hatte es da Kamila Kolesniczenko, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stadtgalerie ihre erste Ausstellung eigenverantwortlich kuratierte. Sie zeigt Arbeiten von François Martig, der im Dezember den SR-Medienkunstpreis erhielt. Der 1978 geborene Belgier ist ein Multitalent. Er arbeitet mit Fotografie, Dokumentation, Videos und (Sound-) Installationen. In "Gas Place" lässt er die Besucher andächtig ein Häufchen Erde anstarren. Dabei lauscht man einer polnischen Sprecherin, die in holprigem Englisch erzählt, was es mit dem schwarzen Erdreich auf sich hat. Es ist kontaminierte Erde von den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs bei Verdun. Sie stammt von einer Lichtung, auf der Munition und chemische Kampfstoffe entsorgt wurden.



François Martig betont, dass er keine Objekte schaffen, sondern zum Nachdenken anregen möchte. Die Stärke der Arbeiten ist ihr subtiler Umgang mit dem Grauen. Der Künstler stellt nicht das Leid der Menschen durch den Krieg dar, sondern macht es indirekt erfahrbar.

Ausstellungen Russell Maltz und François Martig: noch bis 27. August, Stadtgalerie Saarbrücken.