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Neue CDs
Individualismus und Ungeduld

Saarbrücken. Drummer Christian Lillinger hat sein eigenes Label gegründet und überzeugt mit „Grund“. Von Ulrich Steinmetzger

Man kann dieses Schlagzeugspiel kaum beschreiben. Es ist viel zu temposcharf, schichtet Taktarten und Nuancen, fügt in enormer Rasanz immer noch etwas hinzu. Zoomt man es nach vorn, verblüfft, wie sehr es sich doch in den hitzigen Gruppensound einfügt. Gerade mal 33 Jahre ist der im Spreewalddorf Kuschkow geborene Christian Lillinger alt und ist schon Deutschlands führender Schlagzeuger und so etwas wie ein Gravitationszentrum des Berliner Jazz geworden.


Nun hat er mit PLAIST sein eigenes Label gegründet. Bereits die erste Publikation – „C O R“ seiner Band „Grund“ – macht Lust auf mehr. Außer dem Schlagzeug ist jedes Instrument doppelt besetzt: zwei Kontra­bässe (Jonas Westergaard & Robert Landfermann), zwei Saxofone (Tobias Delius & Pierre Borel), Piano und Vibrafon (Achim Kaufmann & Christopher Dell). Daraus resultiert ein enorm dichter Sound. Die neun Kompositionen sind dicht und drängend, haben eine fiebrige Dramaturgie und dringliche Kompaktheit. Vibrafon und Klavier treiben flimmernd und flackernd hinter den eng verschränkten Saxofonen und den dräuenden Bässen. Die improvisatorische Verwobenheit ist enorm strukturiert, Disziplin und die Freiheit des Spontanen wechseln sich ab. Das prasselt, prickelt und packt zu. Und hinter all diesem Geben und Nehmen wirbelt, dribbelt und treibt dieser Schlagzeuger, als hätte er mehr als sieben Sinne.

Christian Lillingers Grund: C O R. (PLAIST/Soulfood).