| 20:38 Uhr

SR-Studiokonzert
Im Bierzelt des Salzkammerguts

Saarbrücken. Das dritte SR-Studiokonzert in Saarbrücken machte fast karnevalistische Laune. Von Helmut Fackler

Heitere Stimmung brachte am „rußigen Freitag“, dem Karnevalsfreitag, das 3. SR-Studiokonzert in den Sendesaal auf dem Halberg. Die Bläser der Deutschen Radio Philharmonie (DRP) waren aufgeboten für „große blasende Musik“ aus drei Jahrhunderten. Kurkonzerte hatten den Knaben Felix Mendelsohn-Bartholdy zu einem „Nocturno“ angeregt, das er später zur „Ouvertüre“ für Harmoniemusik erweiterte. So recht geeignet, sich klanglich einzuspielen und Ansatz- und Fingerfertigkeit zu lockern.



Die wurden gebraucht im „Konzert für Violoncello und Blasorchester“, angereichert durch eine kleine Rhythmusgruppe. Musik-Rebell Friedrich Gulda hat es um 1980 für Heinrich Schiff geschrieben. Los ging es mit kräftigem Jazz-Funkrock, unterbrochen durch alpen-idyllische Zwischenspiele. Dann eine weitere „Idylle“ mit viel Hörnerschall, Ländler, aber auch Cellokantilenen. Eine große „Cadenza“ verlangte vom Solisten auch Improvisatorisches, und ein zierliches Rokoko-Menuett entführte ins 18. Jahrhundert, bis ein „Finale all marcia“ unverblümte Salzkammergut-Bierzeltfreuden hinausposaunte. Cellist Sebastian Klinger stürzte sich mit Bravour in die wilden Exzesse, er zauberte aber auch zart-süßes  Dahinschmelzen ins leiseste Pianissimo, das, wie erfreulich, nicht von Publikumsgeräuschen gestört wurde.

Zusammen mit den gut aufgelegten Orchestermusikern gelang so gute Laune, ohne in die Nähe zum Seicht-Kommerziellen zu geraten. Verdienst auch des Dirigenten Simon Gaudenz, der mit sicher gerundeten Gesten diese „eklektische Liebeserklärung“ ans Salzkammergut steuerte. Schwierig, danach eine Zugabe zu wählen. Der enthusiastische Beifall bewog Klinger zu Bach: „Sarabande“ aus der 1. Solo-Suite.

Mozarts Serenade KV 361 „Gran Partita“ sprengt die ästhetischen Begrenzungen der harmlosen „Harmonie-Musik“. Alle 13 Instrumentalisten werden gefordert durch die Phantasie, den unerschöpflichen Klangsinn, der Fülle an Farben und stilistischen Vielfalt. Wohl hätte man sich das eine oder andere Oboen- oder Klarinetten-Solo etwas blühender gewünscht. Aber insgesamt wurde es eine differenzierte, klangschöne und temperamentvolle Interpretation dieser wunderbaren Musik.

Nächstes Studiokonzert: Freitag, 2. März, mit der DRP unter Pietari Inkinen und Werken von Douglas Lilburn, Jean Sibelius und Peter Tschaikowsky.