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Gerüchte um Amtsverzicht von Landesdenkmalpfleger Josef Baulig
Hört der Chef des Landesdenkmalamts vorzeitig auf?

Josef Baulig (63), seit 2006 Chef des Landesdenkmalamtes.
Josef Baulig (63), seit 2006 Chef des Landesdenkmalamtes. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Einige Spatzen pfeifen es zwar bereits von den Dächern, eine offizielle Bestätigung aus dem zuständigen Kulturministerium aber steht aus: Der Leiter des Landesdenkmalamtes, Josef Baulig (63), scheidet offenbar zur Jahresmitte auf eigenen Wunsch vorzeitig aus. Dem Vernehmen nach sollen private Gründe den Ausschlag gegeben haben. Baulig selbst war gestern nicht zu erreichen. Von Christoph Schreiner

Sollten sich die Gerüchte verdichten, fiele sein Abschied aus dem Amt zeitlich quasi mit dem Inkrafttreten des neuen Landesdenkmalgesetzes zusammen. Dieses soll bis zur Sommerpause verabschiedet sein. Das aber könnte man schwerlich anders denn eine Ironie der Geschichte nennen: Wird die Novelle doch hinter vorgehaltener Hand von manchen als „Anti-Baulig-Gesetz“ bezeichnet. Die Neufassung des Gesetzes sieht etwa vor, dass der Kulturminister künftig als oberster Denkmalpfleger in Streitfällen zwischen dem Denkmalamt und dem ehrenamtlich besetzten, beratend tätigen Landesdenkmalrat das letzte Wort hat. An Dissens herrschte in den vergangenen Jahren bekanntlich kein Mangel – nicht zuletzt aufgrund kritikwürdiger Entscheidungen Bauligs. Im jüngsten Fall ging es um den ins frühe 17. Jahrhundert zurückreichenden Kirchheimer Hof in Breitfurt. Baulig habe dem Verfall des Herrenhauses zugesehen, monierte der Landesdenkmalrat-Vorsitzende, Architekt Henning Freese. Nachdem Freese Minister Ulrich Commerçon (SPD) informierte, zog dieser die Reißleine (wir berichteten). Auf Betreiben des Hofeigentümers beschäftigt der Fall nun die Gerichte.


Baulig war 2006 vom seinerzeit für Denkmalschutz zuständigen CDU-Umweltminister Stefan Mörsdorf zum Leiter des Amtes ernannt worden. Wiederholt hatte der Landesdenkmalrat Baulig vorgehalten, „lieber lauter Westwallanlagen unter Schutz zu stellen“ anstatt sich gesellschaftlichen Debatten über den Denkmalschutz zu stellen.