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Happy Birthday Radio Philharmonie!

Ganz schön groß: 98 Musiker hat die DRP derzeit (nicht alle im Bild) und einen neuen Chef, Pietari Inkinen. Fotos: Werner Richner/DRP
Ganz schön groß: 98 Musiker hat die DRP derzeit (nicht alle im Bild) und einen neuen Chef, Pietari Inkinen. Fotos: Werner Richner/DRP
Saarbrücken. Die Deutsche Radio Philharmonie ist jetzt offiziell im Teenager-Alter. Gefeiert wird das Zehnjährige mit einer Ausstellung und einer wohl glanzvollen Saison. Oliver Schwambach

Sehr, sehr schick sieht's ja aus, das neue Programmbuch der Radio Philharmonie. Doch bereits nach der ersten Aufblätterlust schon ziemlich verkratzt. Ein Zeichen? Nicht doch! Der zornige Abgang von Gerade-eben-noch-Chefdirigent Karel Mark Chichon, der seinen Protest gegen die Rotstift-Runde des SR auch beim Orchester mit seinem vorzeitigen Good bye verquickte, hat offenbar keine tiefen Spuren hinterlassen, die Feierlaune nicht getrübt. Man begeht jetzt jedenfalls den Geburtstag der Deutschen Radio Philharmonie (DRP) mit einer CD-Box und einer feinen Fotoschau auf dem Halberg. "Klangbilder" heißt sie und zeigt Impressionen eines nun schon zehn Jahre währenden Orchesterglücks: die Musiker, Tourneen, riesige Konzertsäle in Asien, Stars, aber halt auch jene Probenmühen, von denen das Publikum nur ahnen kann. Sehenswert (läuft noch bis Ende 2017).

Vor allem aber beschenkt die DRP ihr Publikum mit einem Programm, das mit Klassikgrößen genauso lockt wie es sich heimischen und zeitgenössischen Komponisten zuwendet. Kurz gesagt: Glanz, aber auch mächtig Lust auf Neues. So unterstreiche man "mit Kompositionsaufträgen und Uraufführungen den Anspruch eines Rundfunkorchesters", betont Orchestermanager Benedikt Fohr. Die regionale Karte spielt man mit dem mittlerweile fast 90-jährigen Tzvi Avni, der in Saarbrücken geboren 1935 nach Palästina emigrieren musste. Auch der wohl politischste aller lebenden deutschen Tonsetzer, Rolf Riehm, kommt, ja, aus Saarbrücken. Die junge Komponistengarde vertritt Florian Schwamborn, der in Saarbrücken und Paris studiert hat.

Doch man pflegt auch Traditionen, sagt Fohr. Selbstverständlich, dass zum runden DRP-Geburtstag der Dirigent da sein wird, der den Zusammenschluss der beiden Orchester, des RSO Saarbrücken und des RO Kaiserslautern zur DRP begleitet hat, der der bestmögliche Geburtshelfer bei den Fusionswehen war. Christoph Poppen (23. und 25. März) dürfte stolz darauf sein, was aus dem Baby wurde. Und noch ein früherer Chef aus RSO-Zeiten lässt sich mal wieder sehen: Günther Herbig, der große Orchestererzieher.

Wer schon mal seine Da-muss-ich-hin-Kreuzchen im Programmbuch macht, merkt schnell: Das ist kein Interimswerk, wie es das durchaus hätte sein können zwischen einem verfrüht gegangenen Chef und dem neuen, Pietari Inkinen. "Inkinen hat sehr intensiv am Programm mitgearbeitet und natürlich seine Konzerte konzipiert", erläutert Fohr. Das merkt man schon am nordischen Akzent der Saison. Werke seiner Landsmänner Sibelius und Rautavaara hat der 37-jährige Finne vorgesehen.

Ansonsten bewährt sich Benedikt Fohr einmal mehr als spiritus rector hinter den Kulissen der DRP, hat auch wieder - nach 2014 - eine Südkorea-Tournee organisiert. Vom 26. Mai bis 2. Juni geht's dorthin, wo die DRP bereits so sehr geschätzt wird, dass man sie wieder fürs Arts Center Seoul haben wollte, diese Kulturkathedrale. Von solchen Tourneen bringt das SR/SWR-Orchester auch immer mal was mit. Die Geigerin Jinjoo Cho habe das Orchester dort quasi "entdeckt", sagt Fohr. Und dann gleich mal für zwei Konzerte engagiert. Was für ein schönes Mitbringsel!

Pietari Inkinen und Orchestermanager Benedikt Fohr (links) beim Partitur-Studium.
Pietari Inkinen und Orchestermanager Benedikt Fohr (links) beim Partitur-Studium.