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Zeitungsmuseum
Gewitzte Werbung für den Heimatsender

Wadgassen.. Zeitungsmuseum zeigt 60 Jahre Geschichte des Saarländischen Rundfunks in Werbeplakaten. Von: Bülent Gündüz

Modernes Werbe-Denglisch ist ungefähr so spannend wie ein großer Teil der Werbung, die von teuren Agenturen produziert wird. Crossmedial muss Werbung sein, die Corporate Identity muss konsequent durchgehalten und ein positives Image erzeugt werden. Die Ausstellung „Saarländischer Rundfunk Off-Air: 60 Jahre – 60 Plakate“ im Zeitungsmuseum in Wadgassen zeigt aber recht anschaulich, dass es auch anders geht. Nicht alles war früher besser, aber die Werbung war es auf jeden Fall. 1962 wurde Karl Lothar Hildebrand Grafiker beim Saarländischen Rundfunk. Bis in die 1980er-Jahre entwarf er aufwendige Plakate mit künstlerischem Anspruch für den SR und bestimmte das Bild des Saarländischen Rundfunks in der Außenwahrnehmung. Sein Markenzeichen waren Holzschnittdrucke, ab Ende der 1960er-Jahre spielte er vor allem mit auffälligen Typo­graphien, die sich stark am modernen Schriftdesign orientierten. Da wurde für die Sendung „Junge leute heute“ auch schon mal aus Schrift eine Blüte im Flower-Power-Stil kreiert, auffällige und verspielte Schriften warben für Jazz und Chanson.



Die sehenswerte Ausstellung ist auch ein kleiner Streifzug durch die saarländische Musik- und Fernsehgeschichte. Das Funkhaus auf dem Halberg und die Saarlandhalle luden zum Stelldichein der deutschen Stars. Hans Dieter Hüschs „Gesellschaftsabende“ sind bis heute unvergessen. Hildebrands Plakat mit den Kaffeehausstühlen für die Ausgabe Nr. 21 schaffte es sogar auf ein Plattencover.

In den 1970er und 1980er Jahren verstärkten Peter Frantzen und Richard Kirst das Team der Grafiker. Kirst warb im knallbunten Design um Verständnis für die 1976 gegründete GEZ und deren Gebühren und in edlem Schwarz, Weiß und Gold für die Verleihung der „Goldenen Europa“. Die Zeremonie wurde live im deutschen Fernsehen übertragen und lockte internationale Stars wie Shakira, Simply Red, Tina Turner und Shirley Bassey ins Saarland.

Inzwischen hatte der SR ein Logo. Werbeagenturen begannen das Geschäft zu übernehmen. Reklame für den Tatort mit dem bräsigen Kommissar Palü, für die französische Woche oder die Morgensendungen auf SR 1 Europawelle wurden designt. Das schien bald langweilig zu sein, denn der SR bat immer wieder auch bekannte Künstler um Beiträge. Tomi Ungerer gestaltet 1991 ein Plakat für die „Französische Woche“, 1997 entwarf Manfred Deix für das Werbeplakat „Spitzenprogramme“ einen Boxer im Tutu in Ballettpose. Doch mit der individuellen Werbung ging es bergab, das Schrille und Bunte hielt Einzug. Fotografie wurde zum bevorzugten Element. Man versuchte es mit Nackten für SR 2 oder zweideutigen Sprüchen für das Rundfunksinfonieorchester, wenn unter der Hornistin vor dem Saarbrücker Schloss prangt: „Ich war Beethovens 5.“ Die Aufmachung wurden schriller, das Design immer langweiliger, die Sprüche platt.

Inzwischen müssen sich die Plakate gegen viel Konkurrenz behaupten, auch im Internet funktionieren und sie sollen die Marke transportieren. Leider ist Reklame nicht immer originell. Plakate gehen immer mehr im Einheitsbrei jener Werbung unter, die uns tagtäglich berieselt. Sie werden zum Wegwerfprodukt mit wenig Wiedererkennungswert.



Bis 30. Juni. Di-So: 10 bis 16 Uhr.