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Gespiegelte Trugbilder

Raubers verfremdete Version der Berliner Reichstagskuppel. Foto: Werner Rauber/Künstlerhaus
Raubers verfremdete Version der Berliner Reichstagskuppel. Foto: Werner Rauber/Künstlerhaus FOTO: Werner Rauber/Künstlerhaus
Saarbrücken. „Simulacra“ (lateinisch für Trugbilder) lautet der Titel von Werner Raubers Foto-Ausstellung im Saarländischen Künstlerhaus. Optische Täuschungen stehen denn auch im Zentrum der dort gezeigten Fotografien. Anika Meyer

Man stelle sich vor, es gäbe ein Kaleidoskop der Architekturelemente - mit Treppen, Durchgängen, Mauerwinkeln und Fenstern. Die Bilder, die es erzeugen würde, müssten in etwa so aussehen wie Werner Raubers Fotografien. Durch die immer wieder synchron auftauchenden Linien und Formen wirken sie ästhetisch und harmonisch, gleichzeitig vielschichtig und irgendwie geheimnisvoll. Und nimmt man sich Zeit, gibt es darin einiges zu entdecken, vor allem optische Täuschungen.



"Simulacra" (lateinisch für Trugbilder) lautet deshalb der Titel von Raubers Ausstellung, die zurzeit im Künstlerhaus in Saarbrücken zu sehen ist. "Ich will aber nicht betrügen, sondern Spannung erzeugen", sagt der Fotograf, der in Saarbrücken lebt und arbeitet. 1950 in Dudweiler geboren, hat er ab 1970 an der Pädagogischen Hochschule Kunst studiert und sich dabei schnell der Fotografie zugewandt. Dass diese in der damaligen Kunstszene recht stiefmütterlich behandelt wurde, dass ihr die Türen der Galerien meist verschlossen blieben, gerade das hat Rauber zu ihr hingezogen. "Ich wollte zeigen, dass man mit der Kamera gute, interessante Sachen machen kann." Dabei beschäftigen ihn einerseits dokumentarische Aufnahmen, andererseits widmet er sich spielerischen Experimenten - den Simulacra.

In einem ganz typischen seiner Trugbilder werden zwei gegenläufige, freischwebende Treppen dreifach gespiegelt, sodass eine scheinbar endlose Treppenverschachtelung entsteht. Wie in fast allen Simulacra hat Rauber zusätzlich per Fotomontage eine Person eingefügt. Sie bietet dem Auge einen Orientierungspunkt, sodass Bildtiefe und Perspektive erhalten bleiben. "Ohne die Personen würden die Spiegelungen oft nur noch als graphische Muster wahrgenommen", erklärt Rauber sein Prinzip.

In Raubers Version eines Raums der Nationalgalerie in Berlin hingegen verliert das Auge weniger durch Strukturen als durch Irrationalitäten den Halt. So steht ein Pfeiler am Fußboden vor zwei anderen Pfeilern, an der Decke aber plötzlich hinter ihnen. Außerdem sind die Pfeiler beweglich, wie ein junger Mann demonstriert. Etwas Traumhaftes, Surreales haftet diesen Szenen an.

Auch Teile bekannter Gebäude der Region hat Rauber verarbeitet, so der Philharmonie in Luxemburg, des Centres Pompidou in Metz oder des Eurobahnhofs in Saarbrücken. Letzterer hat die "Bauteile" geliefert für eine große Treppenraute, in der eine Frau steht - ein schattenhaftes Motiv ganz in Schwarz-Weiß. "Etwas bedrückend", findet Rauber. Seine Intention hinter den Simulacra ist jedoch durchweg positiv. Sie sind Kunst mit Augenzwinkern - Vergnügen ausdrücklich erlaubt.



Bis 11. September. Geöffnet: Di bis So: 10-18 Uhr.

Künstlergespräch mit Werner Rauber am 1. September (19 Uhr im Künstlerhaus)