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The Producers in der Neunkircher Gebläsehalle
Gelungenes Broadway-Showbiz in Neunkirchen - Rein ins Vergnügen!

Markus Müller alias Max Bialystock (rechts) und Nicolas Schneider alias Leo Bloom sind "The Producers".
Markus Müller alias Max Bialystock (rechts) und Nicolas Schneider alias Leo Bloom sind "The Producers". FOTO: Jennifer Weyland / Stadt Neunkirchen
Neunkirchen. Wenn sich Amateur-Darsteller ein Broadway-Musical vornehmen, geht das üblicherweise schief. In Neunkirchen nicht. Warum? Von Cathrin Elss-Seringhaus
Cathrin Elss-Seringhaus

Die Standing Ovations nach der Aufführung sind wie immer. Die Produktion ist es nicht. Erstmals wagte man sich in der Neunkircher Gebläsehalle an ein bereits erprobtes, in diesem Fall sogar mega-erfolgreiches und mega-ausgezeichnetes Broadwaymusical, an „The Producers“ von Mel Brooks aus dem Jahr 2001.



Setzte sich damit gnadenlosen Vergleichen aus – und konnte bestehen. Dem rund 50-köpfigen Ensemble gelang eine überraschend eigenständige Version, die nicht versuchte, den bis zur Geschmacklosigkeit getriebenen Humor des Originals noch zu überbieten. Das Brooks-Musical, das 2005 auch verfilmt wurde, baut Parallelen zwischen den Menschen verachtenden, aberwitzigen Mechanismen des Broadway-Betriebs und denen des Nazi-Regimes und bedient sich dabei der allerplattesten Komik-Muster.

Kein Witz ist zu billig, kein Klischee zu überholt, um sie nicht bei den „Producern“ vorzuführen: lispelnde schwedische Sex-Bomben (Laura Brite), ein tuntiger Hitler (Philipp Schwindling), beschränkte Bayern (Frank Müller), nymphomane Greisinnen. Zugleich wird eine kitschige Geschichte über wahre Männerfreundschaft erzählt, zwischen einem schmierigen, skrupellosen Betrüger, dem abgewirtschafteten Musical-Produzenten Bialystock (Markus Müller), der sich den zwangsneurotischen, überkorrekten Buchhalter, das Dickerchen Bloom (Nicolas Schneider) als Kompagnon zur Seite nimmt. Der irre Plan lautet, den größten Broadway-Flop aller Zeiten herauszubringen, um sich mit dem Geld der Investoren abzusetzen. Das geht gründlich schief, und das ist auch für die Zuschauer in Neunkirchen ein Vergnügen.



Dank einer Regie (Matthias Stockinger), die dem Klamauk-Affen nicht noch mehr Zucker gibt, sondern die psychologisch echten, melancholischen und bitteren Momente in Wert setzt, etwa die Verzweiflung eines Byalistock angesichts des Verrats seines Geschäftspartners – ein großer Moment und Auftritt von Markus Müller.

Sympathiesieger beim Publikum blieben freilich Philipp Schwindling und Frank Müller, die mit atemberaubenden Karikaturen ihrer Figuren aufwarteten. Bereits 15 Jahre gibt es das „soziokulturelle Musicalprojekt“ in Neunkirchen, es ist ein sperriger Begriff für eine extrem große Menge an Zusammengehörigkeitsgefühl unter rund 100 Leuten, die auf und hinter mitarbeiten. Es scheint, als habe ihnen allen ein „perfektes“ Stück ein Trampolin geboten, um abzuheben: die sprachlich ausgefeilten Dialoge, die gedrechselte Showgirl- und Revue-Choreographie (Einstudierung: Ellen Kärcher) und der wunderbar altmodische Bigband-Swing-Sound (musikalische Leitung: Francesco Cottone). Nein, auch diesmal sitzt nicht jeder Schritt, und nicht jeder Ton klingt lupenrein. Alles kein Thema, weil das Gesamtbild stimmt, das die Begegnung mit großem Entertainment ermöglicht. Lautete die Frage zu Beginn des Premierenabends noch: Schaffen die Neunkircher den Broadway-Schmiss? Dann hieß es dreieinhalb Stunden später: Ja, die Neunkircher schaffen das - ihren eigenen Schmiss.

„The Producers“ läuft bis 20 August, immer um 20 Uhr, sonntags um 18 Uhr. www.ticketregional.de