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Französisches Theater
Forbacher Frühlingsgefühle

Das Ensemble von „L’Éveil du printemps“: Hauptdarsteller Nassim Haddouche, Pauline Masse,  Emma Barcaroli, Geoffrey Dahm,  der gebürtige Forbacher Mathieu Saccucci und Regisseur Alain Batis (v.l.).
Das Ensemble von „L’Éveil du printemps“: Hauptdarsteller Nassim Haddouche, Pauline Masse,  Emma Barcaroli, Geoffrey Dahm,  der gebürtige Forbacher Mathieu Saccucci und Regisseur Alain Batis (v.l.). FOTO: Silvia Buss
Forbach . Vorige Woche beim Saarbrücker Primeurs-Festival der frankophonen Dramatik vorgestellt, erlebt Aiat Fayez’ Stück „L‘éveil du printemps“ nächste Woche seine französische Uraufführung in der Provinz – in Forbach. Regisseur Alain Batis erklärt die interessanten Hintergründe. Von Silvia Buss

Frankreich war für Aiat Fayez, der heute in Wien lebt, immer das Land seiner Sehnsucht gewesen. Doch als er dort hinkam, um Philosophie zu studieren und Franzose zu werden, erlebte er, wie man ihn zunehmend als Fremden behandelte, bis er es im Land von Voltaire nicht mehr aushielt. Von dieser Art der „Befremdung“ erzählt auch sein Stück „Frühlingsgefühle“, das Alain Batis vorige Woche beim Saarbrücker Festival Primeurs in einer deutschsprachigen Werkstatt-Inszenierung vorstellte.



Primeurs erwies damit seinem Namen alle Ehre, konnte man so doch diesseits der Grenze eine Stück-Kostprobe noch vor der französischen Uraufführung erleben, die Regisseur Batis gerade mit seiner Compagnie „La Mandarine Blanche“ im Forbacher Le Carreau vorbereitet. Auch das ist etwas, was man nicht erwartet hätte: Dass sich eine Theaterkompanie eine Provinzstadt wie Forbach für eine Uraufführung aussucht, bevor sie mit ihrer Produktion nach Paris geht und einen Monat lang im berühmten Theaterzentrum „La Cartoucherie“ spielt.

 So sehr ungewöhnlich, erfährt man von Regisseur Batis, sei das gar nicht. Es erklärt sich dadurch, dass französische Kompanien in der Regel kein festes Haus haben. Für ihre Inszenierungen müssen sie sich daher mehrere Bühnen als Koproduzenten suchen. „Wir sind eine assoziierte Kompanie des Carreau, das heißt, dass wir hier zehn Tage am Stück proben konnten, was fantastisch ist“, sagt der gebürtige Lothringer Batis. Zuvor probte die Truppe jeweils zehn Tage in der Vendée, in elsässischen Sélestat und in Rethel in der Champagne-Ardenne. Natürlich sei das nicht unanstrengend, dieser ständige Ortswechsel, räumt Batis ein. Doch sechs Wochen Probenzeit auf einer einzigen Bühne zu bekommen, sei in Frankreich kaum möglich. Dass „La Mandarine Blanche“ einen Großteil der Produktion in Theatern in Grand Est einstudieren konnte, liegt wiederum daran, dass sie – neben staatlicher Subvention –  speziell von dieser Region eine vertraglich geregelte Zweijahres-Förderung erhält. Womit sich Batis auch verpflichtete, flankierend zur Produktion auch Workshops mit Schülern zu veranstalten. Zu den Vorzügen des französischen Systems zählt hingegen, dass sich der Regisseur sein Stück und die passenden Darsteller dafür frei aussuchen konnte. Was Batis an „L‘éveil du printemps“ gefällt? „Es wirft einen Blick auf die Jugend von heute, es hat viele geheime Bezüge zu Frank Wedekinds ‚Frühlingserwachen‘ und seinen Charakteren, es thematisiert Freundschaft, Begehren, Sexualität, alles was wichtig ist in diesem Lebensalter, in dem man starke Dinge erleben will“, erklärt der Regisseur. Fayez‘ Sprache wirke sehr einfach, doch dahinter lauerten Abgründe, viele Schichten wie bei einem Mille-Feuilles, sie habe eine unglaubliche Kraft und Poesie. „Man merkt, dass er Philosoph ist, er schreibt sehr welthaltig, sehr pointiert und redet nicht drumherum“, schwärmt Batis.

Das Stück, in dem Fayez den jungen A von einem anderen Planeten, dessen Bewohner blauhäutig sind, nach Frankreich kommen lässt, sei eine Fabel, eine sinnliche Allegorie. Ihre beiden Teile seien spiegelbildlich gebaut, was er bei seiner Inszenierung auch hervorheben wolle. Etwa mit einem (für Batis typischen) sehr reduzierten stilisierten Bühnendekor, denn nichts soll von der Präsenz der Darsteller und Bilder ablenken. In beiden Welten verwendet er dieselben wenigen Möbel, große Weltraum-Projektionen lassen den jeweils anderen Planeten im Hintergrund aufscheinen, dazu hört man sphärische elektronische Klänge. „Inspiration finde ich im Kino, etwa bei Lars von Triers ,Melancholia’“, sagt Batis.

Unter den vier jungen Schauspielern, zwei Frauen, zwei Männer, die er engagierte, ist auch ein gebürtiger Forbacher. „Ich habe Mathieu Saccucci aber deshalb genommen, weil ich ihn für einen guten Darsteller halte“, betont Batis. Nur einmal, am 5. Dezember, wird die Truppe denn auch das Stück in Forbach aufführen. Anschließend geht sie auf Tour, erst nach Paris, danach an verschiedene Theater in Grand Est, danach quer durch Frankreich. Bis kommenden Juni ist der Terminplan schon fest. „Wir werben aber noch Theater-Profis ein, um das Stück auch in der kommenden Spielzeit zu verkaufen“, erzählt Batis.



Uraufführung am Dienstag (20 Uhr) im Forbacher Le  Carreau.